Nextcloud Test 2026: Der Praxistest mit eigenen Messungen — inklusive Upgrade auf 34

Nextcloud Test 2026: Der Praxistest mit eigenen Messungen — inklusive Upgrade auf 34

Ein Nextcloud Test besteht im Netz meistens aus einer Feature-Liste: Dateien, Kalender, Kontakte, Videochat, Office — Haken dahinter, fertig. Das Problem daran ist, dass alle diese Haken auch dann stimmen, wenn die Installation im Alltag unbenutzbar ist. Features sagen nichts darüber, wie sich die Software anfühlt, wenn 26.000 Dateien drin liegen, wenn ein Hauptversions-Upgrade ansteht oder wenn man 500 kleine Dateien hochlädt.

Also haben wir für diesen Nextcloud Test keine Broschüre gelesen, sondern eine Instanz aufgesetzt und sie benutzt. Am 20. August 2026, bewusst startend mit Nextcloud 33.0.8, damit wir das Upgrade auf 34.0.3 wirklich durchführen und stoppen konnten — statt es zu beschreiben.

Das wichtigste Ergebnis vorweg, weil es die eine praktische Entscheidung betrifft, die fast jeder beim Umzug in die eigene Cloud falsch trifft:

Dieselben 2.000 Dateien brauchten über WebDAV 3,6 Dateien pro Sekunde und über occ files:scan 953 Dateien pro Sekunde. Das ist Faktor 265 — bei identischem Endergebnis in der Datenbank.

Wer seine 50.000 Urlaubsfotos über den Desktop-Client hochlädt, wartet knapp vier Stunden. Wer dieselben Dateien auf den Server kopiert und einmal einlesen lässt, ist in einer Minute fertig. Beide Wege führen zum exakt gleichen Zustand — wir haben das in der Datenbank gegengeprüft.

Nextcloud Test: Der Aufbau

Damit die Zahlen einordbar sind, zuerst der Prüfstand. Alles lief auf einem Server mit AMD-EPYC-Kernen und reichlich RAM — die Messungen sind also Bestwerte. Auf einem kleinen VPS mit einem Kern werden die Zeiten schlechter, nicht besser.

KomponenteVersion / Wert
Nextcloud (Start)33.0.8
Nextcloud (nach Upgrade)34.0.3
DatenbankMariaDB 11.4
CacheRedis 7 + APCu
BetriebDocker, offizielles nextcloud:apache-Image
PHP-Memory-Limit1 GB

Die Konfiguration ist bewusst nah am Auslieferungszustand: Redis und APCu waren durch das offizielle Image bereits eingerichtet, sonst wurde nichts optimiert. Wir wollten wissen, was jemand bekommt, der der Standardanleitung folgt — nicht, was mit drei Tagen Tuning möglich ist.

Installation: unspektakulär, und das ist ein Kompliment

Die Installation ist der Teil, den viele Erfahrungsberichte am ausführlichsten beschreiben, und ehrlicherweise der langweiligste. Container gestartet, gewartet, fertig. Kein Handanlegen, keine Fehlermeldung, keine manuelle Datenbankeinrichtung.

Nach dem ersten Start standen:

  • 857 MB Programmcode auf der Platte
  • 60 MB Datenverzeichnis (ohne eine einzige eigene Datei)
  • 5,73 MB Datenbank mit 126 Tabellen
  • 47 aktivierte Apps ab Werk

Diese 47 Apps sind der erste ehrliche Befund. Eine frische Nextcloud ist kein Dateispeicher, sondern eine Groupware-Suite mit Dashboard, Aktivitäten, Kommentaren, Sprachnachrichten-Unterstützung und Wetter-Status. Das ist mehr, als die meisten brauchen — und jede dieser Apps läuft bei jeder Anfrage mit.

Vier Balken zeigen, wie die Antwortzeit mit der Zahl der Dateien in einem Ordner ansteigt

Performance bei vielen Dateien: Wo genau es kippt

Die häufigste Sorge vor dem Umstieg lautet: „Wird das langsam, wenn viel drin liegt?” Also haben wir vier Ordner mit 100, 1.000, 5.000 und 20.000 Dateien angelegt (26.164 insgesamt inklusive Rest) und die Ordner-Abfrage gemessen — einmal schlank, einmal mit genau dem Eigenschaftssatz, den die Weboberfläche tatsächlich anfordert.

Dateien im OrdnerPROPFIND schlankPROPFIND wie Web-UI
100250 ms285 ms
1.000271 ms317 ms
5.000407 ms613 ms
20.000927 ms1.543 ms
Methodik: WebDAV-PROPFIND mit Depth: 1, je ein Aufwärmlauf, danach 5 (schlank) bzw. 3 (voller Prop-Satz) Messungen, Mittelwert. Nextcloud 33.0.8, 20.08.2026. „Wie Web-UI” fordert zusätzlich fileid, permissions, size, has-preview, share-types, favorite, owner-id und weitere an.

Zwei Dinge stehen in dieser Tabelle, die in Feature-Listen nie auftauchen.

Erstens: Bis 1.000 Dateien passiert praktisch nichts. Der Unterschied zwischen 100 und 1.000 Dateien liegt bei 21 Millisekunden — das ist Rauschen. Wer seine Instanz mit ein paar hundert Dateien testet, misst die Skalierung überhaupt nicht.

Zweitens: Der volle Eigenschaftssatz kostet ab 5.000 Dateien richtig Geld. Bei 20.000 Dateien sind es 1.543 statt 927 Millisekunden — 66 Prozent Aufschlag nur dafür, dass die Oberfläche Vorschau-Verfügbarkeit, Freigabe-Status und Favoriten-Markierung mit abfragt. Wer über WebDAV-Tools misst und daraus auf das Browser-Gefühl schließt, unterschätzt es systematisch.

Die Basis-Latenz ist das eigentliche Thema

Um zu verstehen, woher die Zeiten kommen, haben wir gegen einen leeren Ordner gemessen:

AbfrageZeit
Leerer Ordner243 ms
100 Dateien241 ms
20.000 Dateien981 ms
Statische Datei (kein PHP)1,9 ms
Methodik: gleiche PROPFIND-Messung, zusätzlich ein direkter GET auf /core/img/logo/logo.svg, der von Apache ohne PHP ausgeliefert wird. Nextcloud 34.0.3, 20.08.2026.

Das ist der Kern des ganzen Tests: Eine leere Ordner-Abfrage kostet 243 Millisekunden. Eine statische Datei vom selben Server kostet 1,9 Millisekunden. Faktor 128, bevor eine einzige Datei im Spiel ist.

Diese Grundgebühr fällt bei jeder Anfrage an, weil jede Anfrage einen vollständigen PHP-Durchlauf mit 47 geladenen Apps bedeutet. Die Dateianzahl kommt erst obendrauf. Und genau daraus folgt der wichtigste Befund dieses Tests.

Ein enges Rohr transportiert viele kleine Dokumente langsam, ein weites Rohr einen großen Block schnell

Sync-Geschwindigkeit: Der Faktor, der Migrationen ruiniert

Wir haben dieselbe Datenmenge — 10 MB — auf zwei Arten hochgeladen:

WegZeitDurchsatz
1× 10-MB-Datei0,40 s24,7 MB/s
500× 20-KB-Dateien133,6 s0,07 MB/s
Methodik: WebDAV-PUT per curl innerhalb des Containers (kein Netzwerkweg), identische Datenmenge, Nextcloud 33.0.8, 20.08.2026. Der Wert für viele kleine Dateien stammt aus einem einzigen curl-Prozess mit persistenter Verbindung.

Dieselben 10 Megabyte brauchen als eine Datei 0,4 Sekunden und als 500 Dateien 133,6 Sekunden — Faktor 334.

Das ist keine Nextcloud-Schwäche im engeren Sinn, sondern die Rechnung von oben: 500 Dateien × rund 310 Millisekunden PHP-Grundgebühr pro Anfrage ≈ 155 Sekunden. Die Datenmenge ist fast irrelevant, die Anzahl der Anfragen ist alles.

Der Messfehler, der uns fast eine falsche Zahl beschert hätte

Der erste Durchlauf startete für jede Datei einen eigenen curl-Prozess und ergab 3,2 Dateien pro Sekunde. Verdacht: Da misst man den Prozessstart mit, nicht den Server.

Also der Gegentest mit einem curl-Prozess und persistenter Verbindung: 3,7 Dateien pro Sekunde. Der Unterschied beträgt 15 Prozent — die Ersparnis durch Verbindungswiederverwendung ist real, aber winzig. Der Engpass sitzt eindeutig im Server, nicht im Client. Ohne diesen Gegentest hätte im Artikel eine plausible, aber unbelegte Ursachenzuschreibung gestanden.

Parallelität hilft — und zwar sauber

Desktop-Clients laden nicht seriell hoch, sondern mit mehreren Verbindungen gleichzeitig. Also haben wir 300 Dateien mit 1, 4 und 8 parallelen Strömen übertragen:

Parallele VerbindungenZeit für 300 DateienDateien/sFaktor
182,2 s3,6
421,7 s13,93,9×
811,3 s26,67,3×
Methodik: 300 Dateien à 20 KB, gleichmäßig auf n curl-Prozesse verteilt, jeder mit persistenter Verbindung, innerhalb des Containers. Nextcloud 34.0.3, 20.08.2026.

Die Skalierung ist fast linear — ein deutliches Zeichen dafür, dass hier CPU-Kerne der begrenzende Faktor sind und nicht ein Schloss in der Datenbank. Das deckt sich mit unserer Messung während des Uploads: der App-Container zog 84 Prozent CPU, MariaDB und Redis zusammen unter 16 Prozent.

Praktische Folge: Auf einem Ein-Kern-VPS bringt Parallelität wenig, weil der eine Kern schon bei einem Strom ausgelastet ist. Wer viele kleine Dateien synchronisiert, kauft Kerne, nicht Bandbreite.

Der Faktor 265: Wie man richtig migriert

Jetzt der Befund, der diesen Nextcloud Test praktisch am wertvollsten macht. Wir haben 2.000 Dateien direkt ins Datenverzeichnis geschrieben und Nextcloud danach einmal einlesen lassen:

Weg für 2.000 DateienZeitDateien/s
WebDAV-Upload (seriell)~555 s (hochgerechnet)3,6
Ins Dateisystem kopieren0,2 s9.739
occ files:scan danach2,1 s953
Kopieren + Scan zusammen2,3 s870
Methodik: 2.000 Dateien à 20 KB direkt nach /var/www/html/data/admin/files/scan_bulk geschrieben, danach occ files:scan --path=.... WebDAV-Wert aus der seriellen Messung hochgerechnet (2.000 ÷ 3,6). Nextcloud 34.0.3, 20.08.2026.

Faktor 265 gegenüber dem seriellen WebDAV-Upload — und immer noch Faktor 33 gegenüber acht parallelen Verbindungen.

Das klingt nach einem Trick mit Haken. Also die Gegenprobe in der Datenbank: Sind die Einträge gleichwertig?

OrdnerEinträgemit Größemit Mimetype
scan_bulk (via files:scan)2.0002.0002.000
upl_par8 (via WebDAV)300300300
Methodik: direkte Abfrage auf oc_filecache, gefiltert nach Pfad. Nextcloud 34.0.3, 20.08.2026.

Kein Unterschied. Beide Wege erzeugen vollständige Datenbankeinträge mit Größe und Mimetype. Der files:scan-Weg ist nicht die schlechtere Variante — er ist derselbe Zustand, 265-mal schneller.

Für eine Erstmigration heißt das konkret: Bestandsdaten nicht durch den Desktop-Client schieben, sondern per rsync oder scp ins Datenverzeichnis legen, Besitzrechte auf den Webserver-Nutzer setzen und einmal occ files:scan laufen lassen. Bei 50.000 Dateien ist das der Unterschied zwischen einem Nachmittag und einer Minute.

Wichtig: Das gilt für die Erstbefüllung. Im laufenden Betrieb ist WebDAV der richtige Weg, weil nur er Freigaben, Versionierung und Aktivitäten sauber mitführt.

Ein Server wird gewartet, eine Fortschrittsanzeige umkreist ihn, eine Absperrung zeigt kurze Nichtverfügbarkeit

Das Upgrade von 33 auf 34: der Teil, vor dem alle Angst haben

Hauptversions-Upgrades sind der meistgenannte Grund, Nextcloud nicht selbst zu betreiben. Also haben wir eines gemacht — mit 27.184 Dateien und 50 Apps im Bestand.

Zuerst das Backup, im Wartungsmodus:

Wartungsmodus an, Datenbank-Dump, Wartungsmodus aus: 1,10 Sekunden Gesamt-Ausfallzeit. Der Dump war 5,6 MB groß.

Das ist eine unbequeme Zahl für das Argument „Backups sind bei Self-Hosting so aufwendig”. Bei einer kleinen Instanz sind sie technisch nahezu kostenlos.

Dann das eigentliche Upgrade — Image getauscht, Container neu gestartet, Nextcloud macht den Rest selbst:

SchrittErgebnis
Dauer bis wieder erreichbar27,6 s
Manuelle Eingriffe nötigkeine
Version vorher / nachher33.0.8.2 → 34.0.3.2
Dateien vorher / nachher27.184 → 27.187
Apps deaktiviert durch Upgrade0
Methodik: docker compose up -d nach Image-Wechsel, danach status.php alle 5 Sekunden abgefragt, bis installed:true, maintenance:false und needsDbUpgrade:false gleichzeitig zutrafen. 20.08.2026.

27,6 Sekunden, null Handgriffe, keine deaktivierte App. Das Upgrade migrierte dabei sichtbar alle mitgelieferten Apps auf neue Versionen und führte anschließend eine Integritätsprüfung durch.

Und die Performance danach? Identisch:

Dateienvor Upgrade (33.0.8)nach Upgrade (34.0.3)
100250 ms272 ms
1.000271 ms283 ms
5.000407 ms434 ms
20.000927 ms967 ms
Methodik: identisches PROPFIND-Verfahren vor und nach dem Upgrade, gleiche Daten, gleicher Host. Abweichungen 4–9 % liegen im Bereich der Messstreuung.

Keine Verbesserung, keine Verschlechterung. Für ein Hauptversions-Upgrade ist „nichts hat sich geändert” das bestmögliche Ergebnis.

Die Einschränkung, die dazugehört

Bevor daraus „Upgrades sind harmlos” wird — drei ehrliche Grenzen unseres Tests:

  1. Wir sind eine Version gesprungen, 33 → 34. Nextcloud erlaubt keine Sprünge über mehrere Hauptversionen; wer zwei Jahre wartet, muss mehrfach nacheinander upgraden.
  2. Wir hatten keine Drittanbieter-App aus dem Store installiert, als das Upgrade lief. Genau die sind erfahrungsgemäß das Problem — dazu gleich die Zahlen.
  3. Docker macht es einfacher als eine manuelle Installation. Das Image bringt die passende PHP-Version mit. Bei einer Installation direkt auf dem Server kommt der PHP-Upgrade-Pfad als eigenes Risiko dazu.

Wo es nervt: drei Dinge, die im Test wirklich gestört haben

Ein Praxistest, der nur Gutes findet, war kein Test. Drei Punkte haben uns echt aufgehalten.

1. occ setupchecks hängt sich auf

Der Befehl, der die Admin-Warnungen erzeugt, lief bei uns minutenlang ohne Ergebnis und musste hart abgebrochen werden. Im Log war zu sehen, warum: Nextcloud ruft sich für die WebDAV-Prüfung selbst über die konfigurierte Adresse auf — und bekam dabei 401, immer wieder, mit dem eigenen Nextcloud-Server-Crawler/34.0.3 als Kennung.

Das ist ein lehrreicher Fall: Die Prüfung, die sagen soll, ob die Installation korrekt erreichbar ist, braucht selbst eine korrekt erreichbare Installation. In einer Testumgebung ohne sauberen externen Namen blockiert sie. Kein Datenverlust, aber eine Viertelstunde weg.

2. Der Auslieferungszustand ist nicht der empfohlene Zustand

Nach der Installation waren mehrere Werte schlicht nicht gesetzt, die Nextcloud in der Admin-Oberfläche später anmahnt:

EinstellungZustand nach Installation
memcache.local✅ gesetzt (APCu)
memcache.locking✅ gesetzt (Redis)
default_phone_region❌ nicht gesetzt
maintenance_window_start❌ nicht gesetzt
overwriteprotocol❌ nicht gesetzt
preview_max_x / preview_max_y❌ nicht gesetzt
Methodik: occ config:list system auf der frisch installierten Instanz, Nextcloud 34.0.3, 20.08.2026.

Das offizielle Docker-Image nimmt einem das Caching ab — das ist mehr, als viele Anleitungen vermuten lassen. Aber die restlichen Punkte bleiben Handarbeit. Besonders preview_max_x/preview_max_y: Ohne diese Werte legt Nextcloud Vorschaubilder in voller Auflösung an. Wir haben in unserem Artikel zu den Nextcloud Kosten gemessen, was das bedeutet — 85 Prozent des Vorschau-Speichers lassen sich mit zwei Konfigurationszeilen einsparen.

3. Der Programmcode wächst schneller als die Daten

ZeitpunktProgrammcodeDatenbankTabellen
Frische Installation (33)857 MB5,73 MB126
Nach 27.000 Dateien + Upgrade (34)1.191 MB31,61 MB131
Nach Talk-Installation1.390 MB34,70 MB153
Methodik: du -sm im Container, Tabellengröße per information_schema. 20.08.2026.

Talk allein bringt 199 MB Code und 22 zusätzliche Tabellen mit. Wer eine „schlanke Dateiablage” plant, sollte wissen, dass eine typische Nextcloud mit ein paar Apps schnell bei über einem Gigabyte Programmcode liegt — unabhängig davon, wie viele eigene Dateien drin sind.

Ein Raster aus App-Kacheln über einer Cloud-Plattform, etwa die Hälfte leuchtet, die andere Hälfte ist ausgegraut

Der App-Store: die Zahl, die man vor der Entscheidung kennen sollte

Nextclouds größtes Verkaufsargument ist die Erweiterbarkeit. Also haben wir den kompletten App-Store ausgewertet — nicht die Werbeseite, sondern die API.

KennzahlWert
Apps im Store gesamt753
davon kompatibel mit Nextcloud 34.0.3396 (52,6 %)
Methodik: apps.nextcloud.com/api/v1/apps.json (31 MB) und .../platform/34.0.3/apps.json am 20.08.2026 abgerufen und ausgezählt.

Knapp die Hälfte des App-Stores funktioniert nicht mit der aktuellen Nextcloud-Version. Und der Blick auf das letzte stabile Release macht es deutlicher:

Letztes stabiles ReleaseAppsAnteil
Jünger als 6 Monate46161,2 %
6–12 Monate334,4 %
1–2 Jahre415,4 %
Älter als 2 Jahre15220,2 %
Kein stabiles Release668,8 %
Methodik: je App das jüngste Release ohne alpha/beta/rc/nightly im Versionsstring, Alter gegen den 20.08.2026 gerechnet. Vorabversionen wurden ausgeschlossen, weil sonst Testuploads eine tote App als gepflegt erscheinen lassen.

Rund 29 Prozent der Apps sind seit über einem Jahr ohne stabiles Release oder haben nie eines gehabt. Der aktive Kern ist mit 461 gepflegten Apps trotzdem groß — aber die Store-Zahl „753” beschreibt einen Katalog, keine Auswahl.

Die praktische Regel daraus, und sie ist unbequem: Jede installierte Drittanbieter-App ist eine jährliche Verpflichtung. Nextcloud verlangt, dass alle Apps die Zielversion unterstützen, bevor ein Upgrade durchläuft. Eine einzige verwaiste App kann eine Instanz auf einer alten Version festhalten — und alte Versionen bekommen keine Sicherheitsupdates.

Talk im Test: was ohne Zusatzserver wirklich geht

Die Installation von Talk dauerte 3,7 Sekunden und war völlig unauffällig. Die interessante Frage ist, was danach möglich ist.

Wir haben das nicht der Produktseite entnommen, sondern dem Quellcode der App. In lib/Config.php entscheidet getSignalingMode() folgendermaßen: Ist kein Signaling-Server eingetragen, gilt SIGNALING_INTERNAL. Auf unserer frischen Installation war genau das der Fall — weder signaling_servers noch stun_servers waren gesetzt.

Interner Modus bedeutet Peer-to-Peer: Jeder Teilnehmer sendet seinen Videostrom an jeden anderen. Der Bandbreitenbedarf steigt dadurch nicht linear, sondern mit der Teilnehmerzahl multipliziert — bei acht Personen sendet jeder Client sieben Ströme gleichzeitig.

Das ist die Grenze, die man vor der Beschaffung kennen muss: Talk ist ohne den High Performance Backend für Zweier- und kleine Gruppengespräche gedacht. Für eine Videokonferenz mit einer ganzen Abteilung oder Schulklasse braucht es den HPB — und der ist Teil des kostenpflichtigen Enterprise-Angebots. Wir haben das für den Schulkontext in Nextcloud für Schulen ausführlich hergeleitet.

Kurz gesagt: „Nextcloud ist kostenlos” und „Nextcloud macht Videokonferenzen für 25 Leute” sind zwei Aussagen, die nicht gleichzeitig gelten.

Ressourcenverbrauch: erfreulich genügsam

Im Leerlauf, mit 27.000 indizierten Dateien und 50 aktiven Apps:

ContainerCPURAM
Nextcloud (App)0,00 %487 MiB
MariaDB0,02 %172 MiB
Redis0,67 %13 MiB
Summe~0,7 %~672 MiB
Methodik: docker stats --no-stream, Instanz im Leerlauf ohne aktive Nutzer. Nextcloud 34.0.3, 20.08.2026.

Unter Last verschiebt sich das Bild klar in eine Richtung: Beim seriellen Upload zog der App-Container 84 Prozent CPU, MariaDB nur 13 Prozent, Redis knapp 3 Prozent.

Nextcloud ist keine datenbanklastige Anwendung, sondern eine PHP-lastige. Für die Serverwahl heißt das: Ein Tarif mit viel RAM und einem Kern ist die falsche Form. Kerne sind das, was zählt. Welche Tarife das preislich wie abbilden, haben wir im Nextcloud Hosting Vergleich mit echten Preisen durchgerechnet.

Das Löschen war übrigens erfreulich schnell: Ein Ordner mit 500 Dateien war in 0,40 Sekunden im Papierkorb — dort belegt er weiter Platz, was bei der Speicherplanung gern vergessen wird.

Was wir nicht getestet haben

Damit dieser Nextcloud Test ehrlich bleibt, die Lücken ausdrücklich benannt:

  • Kein Desktop-Client, kein Mobil-Client. Wir haben über WebDAV gemessen, also über dasselbe Protokoll, das die Clients nutzen — aber nicht deren Konfliktbehandlung, Dateiauswahl-Logik oder Akkuverhalten.
  • Kein Collabora, kein OnlyOffice. Beide brauchen einen eigenen Dienst; das ist ein Test für sich.
  • Kein Talk-Videogespräch mit echten Teilnehmern. Die Aussage zum internen Signaling stammt aus dem Quellcode und der Herstellerdoku, nicht aus einer Messung mit acht Kameras.
  • Keine Langzeitbeobachtung. Ein Tag Test sagt nichts über Datenbankwachstum nach zwei Jahren oder über die Zuverlässigkeit der Hintergrundjobs über Monate.
  • Kein Ein-Kern-VPS. Unsere Zahlen sind Bestwerte auf starker Hardware. Auf kleinen Tarifen ist mit deutlich schlechteren Zeiten zu rechnen.

Eine geschätzte Zahl sieht in einer Tabelle identisch aus wie eine gemessene. Deshalb steht hier nichts, was wir nicht selbst gemessen oder aus einer Primärquelle belegt haben.

Eine Waage wiegt ein Schild-Symbol für Kontrolle gegen Uhren- und Zahnrad-Symbole für Aufwand ab

Fazit: Für wen sich Nextcloud lohnt — und für wen nicht

Nach einem Tag echtem Betrieb fällt das Urteil differenzierter aus, als „gut” oder „schlecht” es zulassen würden.

Nextcloud überzeugt bei:

  • Upgrades. 27,6 Sekunden ohne Handgriff war deutlich besser als der Ruf.
  • Backups. 1,1 Sekunden Ausfallzeit für einen konsistenten Dump.
  • Ressourcen. Unter 700 MB RAM im Leerlauf für eine vollständige Groupware.
  • Großen Dateien. 24,7 MB/s sind völlig ausreichend.

Nextcloud enttäuscht bei:

  • Vielen kleinen Dateien. 3,6 Dateien pro Sekunde seriell sind ein echtes Alltagsproblem.
  • Sehr großen Ordnern. Ab 5.000 Dateien wird die Weboberfläche spürbar zäh, bei 20.000 sind es 1,5 Sekunden.
  • App-Store-Erwartungen. Nur gut die Hälfte ist mit der aktuellen Version kompatibel.
  • Selbstdiagnose. occ setupchecks hing sich im Test komplett auf.

Unsere Empfehlung, nach Anwendungsfall sortiert:

SituationUrteil
Familie/kleines Team, Dateien + Kalender✅ Sehr gut geeignet
Dateiablage mit vielen kleinen Dateien (Code, Fotos)⚠️ Nur mit ausreichend Kernen
Videokonferenz für ganze Gruppen❌ Nicht ohne kostenpflichtigen HPB
Ersatz für Google Workspace im Unternehmen⚠️ Nur mit fester Zuständigkeit
„Ich will einfach nichts administrieren”❌ Dann Managed-Hosting nehmen

Und die Antwort auf die Frage, die hinter jedem Nextcloud Test steht — ob sich der Aufwand lohnt: Der Betrieb ist einfacher, als sein Ruf vermuten lässt. Die Performance ist schlechter, als die Feature-Liste vermuten lässt. Wer das weiß, bevor er anfängt, wird selten enttäuscht.

Bei uns läuft die eigene Infrastruktur aus genau einem Grund auf eigenen Servern: Kontrolle, nicht Kosten. Dass Self-Hosting sich preislich bei kleinen Installationen nicht rechnet, haben wir in den Nextcloud Kosten selbst vorgerechnet — auch wenn es der eigenen Praxis widerspricht.

Häufige Fragen zum Nextcloud Test

Ist Nextcloud schnell genug für den täglichen Gebrauch?

Für normale Ordner mit bis zu einigen tausend Dateien ja — die Antwortzeiten lagen in unserem Test zwischen 250 und 400 Millisekunden. Ab etwa 5.000 Dateien pro Ordner wird es spürbar langsamer, bei 20.000 Dateien dauerte die Ordner-Ansicht in der Weboberfläche 1,5 Sekunden. Der begrenzende Faktor sind Prozessorkerne, nicht Arbeitsspeicher oder Bandbreite.

Wie lange dauert ein Nextcloud-Upgrade auf eine neue Hauptversion?

In unserem Test von Version 33.0.8 auf 34.0.3 dauerte es 27,6 Sekunden bis zur vollständigen Erreichbarkeit, ohne jeden manuellen Eingriff und ohne dass eine App deaktiviert wurde. Wichtig: Nextcloud erlaubt keine Sprünge über mehrere Hauptversionen, und Drittanbieter-Apps sind das eigentliche Risiko — nicht der Upgrade-Vorgang selbst.

Warum ist der Nextcloud-Upload bei vielen kleinen Dateien so langsam?

Weil jede einzelne Datei eine vollständige PHP-Anfrage auslöst. Wir haben gemessen: Ein PUT einer 20-KB-Datei kostet rund 310 Millisekunden, eine statische Datei vom selben Server nur 1,9 Millisekunden. Die Datenmenge ist fast irrelevant, die Anzahl der Anfragen bestimmt die Dauer. 10 MB als eine Datei brauchten 0,4 Sekunden, dieselben 10 MB als 500 Dateien 133,6 Sekunden.

Wie migriere ich große Datenmengen am schnellsten nach Nextcloud?

Nicht über den Desktop-Client, sondern direkt ins Datenverzeichnis kopieren und anschließend occ files:scan ausführen. In unserem Test war dieser Weg 265-mal schneller als der serielle WebDAV-Upload — bei identischem Ergebnis in der Datenbank, was wir gegengeprüft haben. Für den laufenden Betrieb bleibt WebDAV der richtige Weg.

Wie viele Nutzer schafft Nextcloud Talk ohne Zusatzserver?

Ohne High Performance Backend arbeitet Talk im internen Signaling-Modus, also Peer-to-Peer — das haben wir im Quellcode der App verifiziert. Damit sendet jeder Teilnehmer seinen Videostrom an jeden anderen, was praktisch auf Zweier- und kleine Gruppengespräche beschränkt. Für größere Konferenzen ist der kostenpflichtige HPB erforderlich.

Wie viel Speicherplatz braucht eine Nextcloud-Installation?

Eine frische Installation belegte in unserem Test 857 MB Programmcode, 60 MB Datenverzeichnis und 5,73 MB Datenbank mit 126 Tabellen. Nach dem Upgrade auf Version 34 und der Installation von Talk waren es 1.390 MB Code und 153 Tabellen. Talk allein bringt 199 MB und 22 Tabellen mit — der Programmcode wächst also unabhängig von den eigenen Daten.

Wie viele Apps im Nextcloud App Store werden noch gepflegt?

Von 753 Apps im Store waren am Testtag 396 (52,6 %) mit Nextcloud 34.0.3 kompatibel. Nach dem letzten stabilen Release aufgeschlüsselt: 61,2 % wurden in den letzten sechs Monaten aktualisiert, 20,2 % haben seit über zwei Jahren kein stabiles Release und 8,8 % nie eines. Jede installierte Drittanbieter-App kann ein künftiges Upgrade blockieren.

Wie aufwendig sind Backups bei Nextcloud?

Deutlich weniger als erwartet. Wartungsmodus einschalten, Datenbank-Dump ziehen und Wartungsmodus wieder ausschalten dauerte bei einer Instanz mit 27.000 Dateien insgesamt 1,10 Sekunden; der Dump war 5,6 MB groß. Der eigentliche Betriebsaufwand bei Self-Hosting liegt nicht bei den Backups, sondern bei Hauptversions-Updates und der Pflege der installierten Apps.

Lohnt sich Self-Hosting von Nextcloud finanziell?

Bei kleinen Installationen nicht. Wir haben das in einem eigenen Artikel durchgerechnet: Für fünf Nutzer kostet ein gemanagtes Angebot rund 51 € im Jahr, ein eigener VPS etwa 371 € allein an Infrastruktur — bevor eine Arbeitsstunde gezählt ist. Das Argument für Self-Hosting ist Kontrolle und Datenhoheit, nicht der Preis.

Was ist der größte Nachteil von Nextcloud?

Die Grundgebühr pro Anfrage. Eine Abfrage auf einen komplett leeren Ordner kostete in unserem Test 243 Millisekunden, während eine statische Datei vom selben Server in 1,9 Millisekunden ausgeliefert wurde. Jede Anfrage durchläuft einen vollständigen PHP-Start mit rund 47 aktiven Apps. Das erklärt sowohl den langsamen Upload vieler kleiner Dateien als auch die spürbare Trägheit bei großen Ordnern.