Shopware Dropshipping 2026: Was der Store verspricht und was der Core wirklich kann

Shopware Dropshipping 2026: Was der Store verspricht und was der Core wirklich kann

Shopware Dropshipping wird meistens so erklärt, als wäre es eine Frage der richtigen Erweiterung: Plugin installieren, Lieferanten hinterlegen, fertig. Diese Darstellung ist nicht falsch, sie ist nur an der entscheidenden Stelle stumm. Sie sagt dir, welches Plugin es gibt — aber nicht, ob es auf deiner Shopware-Version überhaupt läuft, und schon gar nicht, was der Shopware-Core beim Versand aus mehreren Quellen von sich aus tut.

Für diesen Artikel haben wir deshalb nicht Ratgeber zusammengefasst, sondern zwei Dinge gemessen. Erstens: alle 18 Erweiterungen, die der offizielle Shopware Store zum Suchbegriff „dropshipping” listet — jede einzelne Produktseite abgerufen, Kompatibilität, Preis und Bewertungen ausgelesen. Zweitens: eine laufende Shopware 6.7.2.2, in der wir einen Warenkorb mit Artikeln von zwei verschiedenen Herstellern über die Store-API befüllt und beobachtet haben, was das System daraus macht.

Beide Messungen liefern ein Ergebnis, das in den üblichen Übersichtsartikeln nicht vorkommt — und das die Reihenfolge der Entscheidungen umdreht.

Die Kurzfassung für Eilige

FrageAntwort (Stand 05.09.2026)
Kann Shopware 6 Dropshipping von Haus aus?Nein. Keine Lieferanten-, Lager- oder Dropshipping-Tabelle im Core
Wie viele Dropshipping-Erweiterungen listet der Store?18 insgesamt
Davon wirklich dropshipping-spezifisch11 — der Rest sind Versand-/Steuer-Helfer
Davon lauffähig auf Shopware 6.7 und kaufbar3
Wie viele sind reine Shopware-5-Plugins?6 von 18 (33 %), maximal 5.7.20
Was kosten die kostenpflichtigen?Median 26,99 €/Monat, Spanne 6,99–50,00 €
Wie viele haben keine einzige Bewertung?9 von 18
Wie viele Lieferungen erzeugt der Core pro Bestellung?Genau 1 — auch bei zwei Lieferanten im Warenkorb
Unterstützt Pickware ERP Dropshipping auf Shopware 6?Nein — alle 7 Hilfe-Artikel dazu sind Shopware 5
Was kostet Pickware ERP?Ab 99 €/Monat (Starter), bis 599 € (Professional)
Regel-Bedingungen im Core95 Rule-Klassen, u. a. „Artikel eines Herstellers”
Methodik: Alle 18 Store-Einträge am 05.09.2026 über store.shopware.com abgerufen (Suchbegriff „dropshipping”, der Store meldet selbst „18 products” — es gibt keine zweite Seite), Kompatibilität und Kaufstatus aus der Produktseite geparst. Core-Messungen auf einer laufenden Shopware 6.7.2.2 (dockware/dev, PHP 8.3.25, MariaDB), Warenkorb über die Store-API befüllt. Pickware-Preise und -Hilfeartikel am selben Tag von pickware.com bzw. help.pickware.com abgerufen.

Was Shopware beim Dropshipping von Haus aus mitbringt

Die ehrliche Antwort zuerst: nichts, was den Namen trägt. In der von uns vermessenen Instanz gibt es 237 Datenbanktabellen. Keine einzige heißt supplier, warehouse, dropshipping oder Ähnliches. Es gibt kein Lieferantenobjekt, keine Bezugsquellen, keine Weiterleitung von Bestellungen an Dritte.

Was es gibt, ist die halbe Miete an ganz anderer Stelle. Die Produkttabelle kennt bereits Felder, die für Streckengeschäfte gebaut sein könnten:

Feld in productWofür es beim Dropshipping taugt
stock / available_stockBestand, den du vom Lieferanten spiegelst
restock_timeWiederbeschaffungszeit in Tagen
delivery_time_idLieferzeit-Zuordnung je Artikel
purchase_pricesEinkaufspreis je Artikel — Basis jeder Margenrechnung
min_purchase / purchase_stepsMindestabnahme und Staffelung
manufacturer_idDer Hebel, den fast alle übersehen
Ausgelesen mit DESCRIBE product auf Shopware 6.7.2.2 am 05.09.2026.

Das letzte Feld ist der interessante Teil. Shopware hat keinen Lieferantenbegriff — aber es hat einen Herstellerbegriff, und der lässt sich zweckentfremden. Wer jedem Lieferanten einen „Hersteller” anlegt, hat plötzlich eine Zuordnung, an der die Regel-Engine andocken kann.

Ein zentraler Shop, der über mehrere getrennte Zulieferlinien mit entfernten Lagern verbunden ist und alles in einen einzigen ausgehenden Paketweg zusammenführt

Denn davon gibt es reichlich: Der Core bringt 95 Regel-Klassen mit. Für Dropshipping relevant sind vor allem LineItemOfManufacturerRule (interner Name cartLineItemOfManufacturer), dazu Regeln auf Gewicht, Volumen, Abmessungen, Einkaufspreis, Lagerbestand und Lieferland. Damit lässt sich ohne eine Zeile Code eine Versandart bauen, die nur greift, wenn Ware eines bestimmten Lieferanten im Warenkorb liegt.

Das ist der Punkt, an dem die meisten Anleitungen aufhören und „geht also” sagen. Wir haben weitergemessen — und genau dort liegt das Problem.

Der Befund, der alles andere überschreibt: eine Bestellung, eine Lieferung

Beim Dropshipping mit mehreren Lieferanten ist die zentrale Frage nicht, ob du Versandkosten pro Lieferant berechnen kannst. Sie lautet: Was passiert, wenn ein Kunde Ware von zwei Lieferanten in einen Warenkorb legt? In der Realität werden daraus zwei Pakete, zwei Laufzeiten, zwei Sendungsverfolgungen.

Shopware sieht das anders. Im Core steht in DeliveryBuilder:

public function buildByUsingShippingMethod(
    Cart $cart,
    ShippingMethodEntity $shippingMethod,
    SalesChannelContext $context
): DeliveryCollection {
    $delivery = $this->buildSingleDelivery($shippingMethod, $cart->getLineItems(), $context);

    if (!$delivery) {
        return new DeliveryCollection();
    }

    return new DeliveryCollection([$delivery]);
}
Quelle: vendor/shopware/core/Checkout/Cart/Delivery/DeliveryBuilder.php, Shopware 6.7.2.2, gelesen am 05.09.2026.

Die Methode heißt buildSingleDelivery und gibt eine Collection mit genau einem Element zurück. Das ist keine Konfigurationsfrage und keine Einstellung im Admin — das ist die Bauart.

Code lesen ist allerdings nicht dasselbe wie messen. Also haben wir es ausprobiert: Warenkorb über die Store-API befüllt, mit zwei Produkten von zwei verschiedenen Herstellern.

lineItems: 2
  item: Main product
  item: Main product with advanced prices
DELIVERIES: 1
   positions: 2 | method: Standard | cost: 0

Zwei Lieferanten, zwei Positionen — eine Lieferung. Gegenprobe mit einem Artikel, der eine eigene Versandkostenbefreiung mitbringt, kombiniert mit einem normalen Artikel: ebenfalls eine Lieferung, beide Positionen mit identischem Lieferdatum.

Was der Core dabei tut, ist bemerkenswert konsequent: Er nimmt bei unterschiedlichen Lieferzeiten schlicht die späteste. In getDeliveryDateByPositions sucht er über alle Positionen das jeweils spätere Datum heraus. Für den Kunden heißt das: Ein Artikel, der morgen da wäre, wird auf das Datum des langsamsten Artikels im Warenkorb mitgezogen — jedenfalls in der Anzeige.

Die praktische Folge, und sie ist unangenehm: Ein Warenkorb mit drei Lieferanten zeigt dem Kunden eine Versandart, eine Lieferzeit und eine Sendungsverfolgung. Real werden daraus drei Pakete. Diese Lücke schließt kein Plugin durch Konfiguration — sie erfordert einen Eingriff in den Bestellprozess, oder eine Warenwirtschaft dahinter, die aus einer Shopware-Bestellung mehrere Lieferantenaufträge macht.

Deshalb ist die richtige Reihenfolge nicht „welches Plugin?”, sondern: Wie viele Lieferanten dürfen in einem Warenkorb landen? Wer diese Frage mit „einer” beantworten kann — etwa weil er nur einen Großhändler anbindet — hat ein deutlich kleineres Problem als jemand mit fünf Quellen.

Der Store-Zensus: 18 Erweiterungen, und was davon übrig bleibt

Der offizielle Shopware Store ist die naheliegende erste Anlaufstelle. Wir haben ihn nicht überflogen, sondern vollständig ausgezählt: Suchbegriff „dropshipping”, 18 Treffer, keine zweite Seite. Jede Produktseite einzeln abgerufen.

Das Ergebnis sortiert sich unangenehm:

KategorieAnzahl
Treffer insgesamt18
Nur für Shopware 5 (max. 5.7.20)6
Läuft auf Shopware 6.79
„Coming soon”, also nicht kaufbar2
Kostenlos2
Kostenpflichtig16
Ohne eine einzige Bewertung9
Erhebung 05.09.2026: alle 18 Produktseiten von store.shopware.com abgerufen, Kompatibilitätsangabe und Kaufstatus aus dem HTML der Produktseite gelesen.

Ein Drittel des Angebots ist für eine Shopware-Generation gebaut, die niemand mehr neu installiert. Darunter sind ausgerechnet die Namen, die einem in Empfehlungslisten am häufigsten begegnen: der BigBuy Connector, „Dropshipping Advanced”, und Dropshipping powered by Pickware — letzteres kompatibel von 5.2.7 bis 5.7.20.

Ein Regal mit Erweiterungs-Kartons, von denen die meisten verblasst nach hinten geschoben sind, während nur wenige helle vorne in Reichweite stehen

Noch schärfer wird das Bild, wenn man die Treffer danach trennt, ob sie überhaupt Dropshipping machen. Von den 18 sind 11 dropshipping-spezifisch (Lieferantenanbindung, Bestellweiterleitung, Marktplatz-Connectoren). Die übrigen 7 sind allgemeine Helfer, die in der Suche mitschwimmen, weil ihre Beschreibung das Wort enthält: Steuerregeln im Checkout, ein CSV-Export für Bestellungen, eine abweichende Versand-E-Mail, eine Absenderadresse für neutralen Versand.

Wendet man beide Filter zugleich an — dropshipping-spezifisch UND auf 6.7 lauffähig UND kaufbar — bleiben:

ErweiterungAnbieterPreis/MonatKompatibel
Dropshipping – transmitting orders to suppliersHUBYTE50,00 €6.3.0.0 – 6.7.13.1
DropperyDroppery0,00 €Cloud, 6.4.0.0 – 6.7.13.1
Shipping Cost – Drop Shipping & Warehouse GroupingOngrano29,00 €6.7.0.0 – 6.7.13.1

Drei. Aus einem Angebot, das auf den ersten Blick nach 18 Optionen aussieht.

Ein weiteres Detail, das man nur beim Auszählen sieht: Ein einziger Anbieter (Melomate UG) stellt 5 der 18 Treffer — durchweg kleine Versand- und Steuerhelfer. Die gefühlte Auswahl im Store ist also nicht nur alt, sie ist auch konzentrierter, als die Trefferzahl suggeriert.

Bewertungen: wenig Substanz, aber ehrlich wenig

Über alle 18 Erweiterungen hinweg gibt es zusammen 31 Bewertungen, Durchschnitt 4,74. Das klingt gut, bis man es aufteilt: 9 der 18 haben keine einzige Bewertung. Die vier bestbewerteten Einträge tragen den Großteil der Stimmen.

Ein Schnitt von 4,74 bei 31 Stimmen über 18 Produkte ist keine Marktbestätigung — es ist die statistische Signatur eines dünn besetzten Nischenmarkts. Wer hier auswählt, wählt in fast der Hälfte der Fälle ohne jede Fremderfahrung.

Der Pickware-Befund: eine Empfehlung, die still veraltet ist

Pickware ist im deutschsprachigen Shopware-Umfeld die meistgenannte Warenwirtschaft, und „nimm Pickware” ist eine Standardantwort auf Dropshipping-Fragen. Wir haben das an der Quelle geprüft — im Pickware-Helpcenter.

Die Suche nach „dropshipping” liefert dort 7 Artikel. Der einschlägigste heißt „Wird Dropshipping bei Pickware unterstützt?” und antwortet:

„Pickware ist in erster Linie als Warenwirtschaft für den Handel mit eigenem Lager konzipiert. Für Streckengeschäfte eignet sich unser Dropshipping Plugin.” — help.pickware.com, abgerufen am 05.09.2026

Alle sieben Artikel sind mit „Shopware 5” gekennzeichnet. Kein einziger bezieht sich auf Shopware 6. Das deckt sich exakt mit dem Store-Befund, wo Dropshipping powered by Pickware bei 5.7.20 endet — zwei unabhängige Quellen, dieselbe Aussage.

Das heißt nicht, dass Pickware für Shopware-6-Shops nutzlos wäre. Die ERP-Produkte für Shopware 6 existieren und sind ausgereift; sie sind nur auf eigenes Lager ausgelegt. Die Preise, ebenfalls an der Quelle geprüft:

PlanPreis/Monat (netto)InklusivbestellungenJede weitere
Starter99 €1.0000,20 €
Advanced299 €1.5000,15 €
Professional599 €2.0000,15 €
Enterpriseauf Anfrage
Von pickware.com/de/preise am 05.09.2026 abgerufen. Pickware WMS kostet zusätzlich 199 €/Monat je Gerätelizenz, Hardware separat. Bei jährlicher Zahlung 10 % Rabatt.

Die Lehre daraus ist allgemeiner als Pickware: Eine Plugin-Empfehlung wirft keine Fehlermeldung, wenn das Plugin für die Vorgängerversion gebaut ist. Sie steht einfach weiter in Foren, Blogs und Agentur-Listen und klingt weiter richtig. Auffällig wird es erst, wenn jemand sie umsetzen will.

Bestandsführung: das Problem, das man erst im Betrieb bemerkt

Beim Dropshipping gehört der Bestand jemand anderem. Dein Shop zeigt eine Zahl an, die aus einem fremden System stammt und in dem Moment schon veraltet sein kann, in dem sie ankommt.

Shopware hat dafür eine brauchbare Grundlage — es unterscheidet stock (physischer Bestand) von available_stock (verfügbar, also abzüglich reservierter Mengen) und kennt restock_time. Was es nicht hat, ist ein Weg, diese Zahlen automatisch von einem Lieferanten zu holen. Dafür gibt es genau drei Wege:

1. Feed-Import (CSV/XML, zeitgesteuert). Der Klassiker. Der Lieferant stellt eine Datei bereit, ein Cronjob liest sie. Aufwand gering, Aktualität schlecht: Zwischen zwei Läufen ist deine Anzeige eine Behauptung. Bei einem stündlichen Import und schnell drehenden Artikeln sind Überverkäufe kein Ausnahmefall, sondern eingeplant.

2. API-Anbindung (Live-Abfrage). Der Lieferant bietet eine Schnittstelle, dein Shop fragt beim Aufruf oder beim Checkout. Aktualität gut, Abhängigkeit hoch: Ist die Gegenstelle langsam, wird dein Shop langsam. Wer das baut, braucht zwingend einen Timeout und ein definiertes Verhalten für den Ausfall — sonst hängt die Produktseite an der Verfügbarkeit eines fremden Servers.

3. Warenwirtschaft dazwischen. ERP synchronisiert mit dem Lieferanten und mit Shopware. Sauberste Variante, teuerste auch — siehe Pickware-Preise oben.

Zwei Bestandsanzeigen nebeneinander mit unterschiedlichen Füllständen, verbunden durch einen verzögerten Pfeil mit Uhrsymbol

Der Punkt, den Anleitungen selten machen: Die Wahl zwischen diesen drei Wegen ist keine technische Vorliebe, sondern eine Entscheidung darüber, wer den Überverkauf bezahlt. Bei Feed-Import zahlst du ihn in Stornoquote und Kundenkontakt. Bei API zahlst du ihn in Ladezeit und Ausfallrisiko. Bei ERP zahlst du ihn in Euro pro Monat. Eine kostenlose Option gibt es nicht.

Ein pragmatischer Zwischenweg, der im Core bereits vorgesehen ist: stock bewusst konservativ setzen (Sicherheitspuffer) und restock_time realistisch pflegen, statt Verfügbarkeit zu versprechen, die niemand garantieren kann. Das kostet Umsatz an der Spitze und spart Ärger in der Breite.

Versandkosten pro Lieferant: was mit dem Rule Builder wirklich geht

Hier ist die gute Nachricht, und sie ist echt: Der Rule Builder ist mächtiger, als sein Ruf vermuten lässt. 95 Regel-Klassen stehen im Core bereit, und der Bauplan für Lieferanten-Versandkosten funktioniert ohne Plugin:

  1. Jeden Lieferanten als „Hersteller” anlegen. Shopware kennt keinen Lieferanten, aber product_manufacturer ist ein freies Feld mit eigener ID.
  2. Je Lieferant eine Regel mit der Bedingung „Artikel eines Herstellers” (cartLineItemOfManufacturer).
  3. Je Lieferant eine Versandart, an diese Regel gebunden, mit eigener Preismatrix (Gewicht, Menge oder Warenwert).
  4. Optional: Lieferzeit je Artikel über delivery_time_id, damit die Anzeige nicht pauschal lügt.

Ein verzweigter Entscheidungsbaum aus geometrischen Verbindern, in dem Pakete oben eintreten und über verschiedene Äste zu getrennten Versandbahnen geleitet werden

Und hier ist die Grenze, die man kennen muss, bevor man das baut. Das Verfahren funktioniert sauber, solange ein Warenkorb Ware von einem Lieferanten enthält. Sobald zwei Lieferanten drin sind, treffen zwei Regeln zu — und der Kunde bekommt zwei Versandarten zur Auswahl, nicht zwei Lieferungen mit addierten Kosten. Er wählt eine, bezahlt eine, und du versendest zwei Pakete.

Das ist exakt die Einschränkung aus dem Kapitel oben, jetzt in ihrer praktischen Ausprägung. Wer hier sauber abrechnen will, hat drei Optionen:

  • Aufschlagsregeln bauen, die den Mehr-Lieferanten-Fall erkennen und den Versandpreis erhöhen. Funktioniert, wird aber mit jedem zusätzlichen Lieferanten kombinatorisch aufwendiger.
  • Eine spezialisierte Erweiterung kaufen — genau das ist die Nische, in der Shipping Cost – Drop Shipping & Warehouse Grouping (29 €/Monat) sitzt.
  • Versandkosten pauschalieren und die Differenz als Kalkulationsposten einpreisen. Unelegant, aber für viele Sortimente die wirtschaftlichste Antwort.

Die dritte Option wird selten empfohlen und ist häufig die richtige. Ein Aufschlag von wenigen Euro über alle Bestellungen kostet weniger als eine Sonderlogik, die dauerhaft gewartet werden muss.

Was das rechtlich bedeutet — der Teil, den die Technik nicht löst

Beim Dropshipping wandert der Versand nach außen, die Verantwortung nicht. Das ist kein Shopware-Thema, aber es entscheidet mit darüber, ob das Modell trägt.

Zwei Punkte, die für Shops mit Lieferanten außerhalb der EU seit 2026 besonders schwer wiegen — beide haben wir im Detail im Artikel zu Shopify Dropshipping an den Originaltexten belegt:

Der Zoll. Seit dem 1. Juli 2026 ist die 150-Euro-Zollfreigrenze in der EU entfallen. An ihre Stelle trat ein Pauschalzoll von 3 Euro — und zwar je Warenkategorie, nicht je Sendung. Für ein Modell, das auf Einzelpaketen aus Drittländern beruht, ist das eine strukturelle Verschlechterung, die mit jedem zusätzlichen Artikel im Warenkorb wächst.

Die Produkthaftung. Nach der GPSR gilt: Wer Verbrauchern in der Union Ware anbietet, bringt sie auf dem Markt in Verkehr — und ohne einen in der EU niedergelassenen Wirtschaftsakteur darf sie gar nicht erst in Verkehr gebracht werden. Sitzt dein Lieferant außerhalb der EU, rückst du in diese Rolle. Der Versand ist ausgelagert, die Haftung nicht.

Für die Shopware-Praxis folgt daraus etwas Konkretes: Der Import von Lieferantendaten muss Pflichtangaben mitführen, nicht nur Preis und Bestand. Herstellerangaben, Sicherheitshinweise, Verantwortlicher in der EU — all das gehört in den Feed oder in die Anbindung. Ein Import, der nur Titel, Bild und Preis überträgt, erzeugt Produktseiten, die rechtlich unvollständig sind, und zwar in Serie.

Wann Shopware für Dropshipping die falsche Wahl ist

Wir schreiben viel Gutes über Shopware — es ist ein starkes System, und wir betreiben selbst Instanzen davon. Trotzdem, ehrlich:

Shopware ist die falsche Wahl, wenn Dropshipping dein einziges Geschäftsmodell ist und du bei null anfängst. Der Grund ist nicht die Technik, sondern das Ökosystem. Drei nutzbare Erweiterungen bei 18 Treffern, ein Drittel des Angebots auf der Vorgängerversion, die Hälfte ohne jede Bewertung — das ist ein Markt, der dir wenig abnimmt. Shopify hat für exakt diesen Anwendungsfall eine ungleich dichtere App-Landschaft; wir haben dort 38 Apps allein in der Dropshipping-Kategorie ausgezählt.

Shopware ist die richtige Wahl, wenn Dropshipping ein Teil deines Sortiments ist. Ein etablierter Shop mit eigenem Lager, der Sperrgut oder Langsamdreher direkt vom Großhändler versenden lässt, ist genau der Fall, für den die Bordmittel reichen: ein Lieferant je Warengruppe, saubere Trennung über Hersteller und Regeln, keine Mehr-Lieferanten-Warenkörbe. Dann brauchst du oft kein Dropshipping-Plugin, sondern nur eine gut gebaute Versandlogik.

Shopware ist ebenfalls die richtige Wahl, wenn du ohnehin ein ERP betreibst. Dann verlagert sich das ganze Thema aus dem Shop heraus: Die Warenwirtschaft splittet Bestellungen, führt Bestände und erzeugt Lieferantenaufträge. Shopware ist dann nur noch die Verkaufsfläche — und darin ist es sehr gut.

Wer diesen Vergleich in voller Breite braucht, findet ihn in unserem Shopify-vs-Shopware-Vergleich mit eigener TCO-Rechnung. Was ein Shopware-Projekt insgesamt kostet, steht in Was kostet Shopware 6? und Shopware Shop Kosten. Wer die Cloud-Variante erwägt: Shopware Cloud.

Die Entscheidungsreihenfolge, die tatsächlich funktioniert

Aus allem oben ergibt sich eine Reihenfolge, die der üblichen genau entgegengesetzt ist. Nicht „welches Plugin”, sondern:

  1. Wie viele Lieferanten dürfen in einen Warenkorb? Bei „einer” ist fast alles mit Bordmitteln lösbar. Bei „mehreren” brauchst du eine Antwort auf das Ein-Lieferung-Problem, bevor du irgendetwas installierst.
  2. Woher kommt der Bestand, und wie alt darf er sein? Feed, API oder ERP — die Entscheidung darüber, wer den Überverkauf bezahlt.
  3. Läuft der Kandidat auf deiner Shopware-Version? Nach unserer Zählung ist das bei einem Drittel des Angebots nicht der Fall. Diese Prüfung dauert dreißig Sekunden und spart Wochen.
  4. Trägt der Anbieter das Plugin? Bei 9 von 18 Erweiterungen ohne Bewertung ist das eine offene Frage, keine rhetorische.
  5. Erst jetzt: Plugin oder Eigenbau oder ERP.

Eine Waage, die eine kleine leichte Kiste schnellen Aufbaus gegen einen großen schweren Block laufender Integrationsarbeit abwägt

Fazit: Der Core kann mehr als erwartet, der Store weniger

Nach zwei Messungen steht ein Bild, das sich von der üblichen Darstellung in beide Richtungen unterscheidet.

Der Shopware-Core kann mehr, als man denkt. 95 Regel-Klassen, eine Herstellerzuordnung, die sich als Lieferantenbegriff zweckentfremden lässt, Bestandsfelder mit Reservierungslogik und Wiederbeschaffungszeit — für einfache Streckengeschäfte reicht das ohne eine Zeile Code.

Der Shopware Store kann weniger, als er aussieht. 18 Treffer klingen nach Auswahl. Nach Abzug der Shopware-5-Plugins, der nicht kaufbaren und der thematisch nur mitschwimmenden bleiben drei dropshipping-spezifische Erweiterungen für Shopware 6.7. Die meistgenannte Empfehlung im deutschsprachigen Raum — Pickware — betrifft in dieser Sache ausschließlich Shopware 5.

Und dazwischen liegt der Befund, der die Architektur betrifft: Shopware erzeugt pro Bestellung genau eine Lieferung. Nicht als Voreinstellung, sondern als Bauart. Wer mit mehreren Lieferanten arbeitet, baut also nicht „Dropshipping in Shopware ein” — er baut eine Brücke über eine Annahme, die tief im Core sitzt. Das ist machbar. Aber es ist eine andere Aufgabe, als ein Plugin zu installieren, und sie sollte am Anfang der Planung stehen, nicht am Ende.

Die ehrlichste Empfehlung zum Schluss: Wenn du herausfinden willst, ob Shopware für dein Dropshipping-Vorhaben taugt, dann lege keine Plugin-Liste an. Lege einen Testwarenkorb mit Artikeln von zwei Lieferanten an und sieh dir an, was im Checkout passiert. Das dauert zehn Minuten und beantwortet die Frage, die alle anderen bestimmt.

Häufige Fragen zu Shopware Dropshipping

Kann Shopware 6 Dropshipping ohne Plugin?

Teilweise. Der Core hat keinen Lieferantenbegriff und keine Bestellweiterleitung, aber er bringt 95 Regel-Klassen mit, darunter „Artikel eines Herstellers”. Damit lassen sich lieferantenabhängige Versandarten ohne Code bauen. Für Bestellweiterleitung, Bestandssynchronisation und Mehr-Lieferanten-Warenkörbe brauchst du eine Erweiterung, ein ERP oder Eigenentwicklung.

Wie viele Dropshipping-Plugins gibt es für Shopware wirklich?

Der Shopware Store listet zum Suchbegriff „dropshipping” 18 Erweiterungen. Davon sind 11 tatsächlich dropshipping-spezifisch, die übrigen 7 sind allgemeine Versand- und Steuerhelfer. Kombiniert man Lauffähigkeit auf Shopware 6.7 mit tatsächlicher Kaufbarkeit, bleiben drei dropshipping-spezifische Erweiterungen übrig (Stand 05.09.2026).

Unterstützt Pickware Dropshipping in Shopware 6?

Nein. Alle sieben Artikel zum Thema Dropshipping im Pickware-Helpcenter sind mit Shopware 5 gekennzeichnet, und das zugehörige Plugin im Store ist bis Version 5.7.20 kompatibel. Pickware selbst schreibt, es sei „in erster Linie als Warenwirtschaft für den Handel mit eigenem Lager konzipiert”. Die ERP-Produkte für Shopware 6 existieren, zielen aber auf eigenes Lager.

Warum zeigt Shopware nur eine Lieferung, obwohl mehrere Lieferanten im Warenkorb sind?

Weil der Core es so baut. Die Methode buildByUsingShippingMethod im DeliveryBuilder ruft buildSingleDelivery auf und gibt eine Collection mit genau einem Element zurück. Wir haben das an einer laufenden Shopware 6.7.2.2 nachgemessen: Warenkorb mit zwei Produkten von zwei Herstellern ergab zwei Positionen, aber eine einzige Lieferung.

Wie berechne ich in Shopware Versandkosten pro Lieferant?

Lege jeden Lieferanten als Hersteller an, erstelle je Lieferant eine Regel mit der Bedingung „Artikel eines Herstellers” und binde daran je eine Versandart mit eigener Preismatrix. Das funktioniert sauber, solange nur ein Lieferant je Warenkorb vorkommt. Bei mehreren Lieferanten bekommt der Kunde mehrere Versandarten zur Auswahl, nicht mehrere addierte Lieferungen.

Was kostet eine Dropshipping-Erweiterung für Shopware?

Von den 18 Store-Einträgen sind 16 kostenpflichtig, mit einem Median von 26,99 Euro pro Monat und einer Spanne von 6,99 bis 50,00 Euro. Zwei Erweiterungen sind kostenlos. Eine Warenwirtschaft wie Pickware beginnt bei 99 Euro monatlich im Starter-Plan mit 1.000 Inklusivbestellungen.

Wie halte ich die Lagerbestände meiner Lieferanten aktuell?

Es gibt drei Wege: zeitgesteuerter Feed-Import (günstig, aber zwischen zwei Läufen veraltet), Live-Abfrage per API (aktuell, macht dich aber von der Verfügbarkeit des Lieferantenservers abhängig) und eine Warenwirtschaft dazwischen (sauber, aber teuer). Jeder Weg entscheidet vor allem darüber, ob du Überverkäufe in Stornoquote, in Ladezeit oder in Euro bezahlst.

Ist Shopware oder Shopify besser für Dropshipping?

Für reines Dropshipping als einziges Geschäftsmodell ist Shopify klar besser aufgestellt: Wir haben dort 38 Apps allein in der Dropshipping-Kategorie ausgezählt, gegenüber drei nutzbaren Erweiterungen bei Shopware. Für Dropshipping als Teilbereich eines etablierten Shops mit eigenem Lager oder vorhandenem ERP spricht dagegen viel für Shopware.

Was ändert sich 2026 rechtlich beim Dropshipping aus Drittländern?

Seit dem 1. Juli 2026 ist die 150-Euro-Zollfreigrenze in der EU entfallen; stattdessen greift ein Pauschalzoll von 3 Euro je Warenkategorie, nicht je Sendung. Zusätzlich rückst du nach der GPSR in die Rolle des verantwortlichen Wirtschaftsakteurs, wenn dein Lieferant außerhalb der EU sitzt. Der Versand ist ausgelagert, die Haftung nicht.

Brauche ich für Dropshipping in Shopware ein ERP?

Nicht zwingend. Bei einem einzigen Lieferanten und überschaubarem Sortiment reichen Bordmittel plus gegebenenfalls eine Erweiterung. Ein ERP lohnt sich, sobald mehrere Lieferanten in einem Warenkorb vorkommen können, denn dann muss jemand aus einer Shopware-Bestellung mehrere Lieferantenaufträge machen — und genau das kann der Shop selbst nicht.

Wie erkenne ich, ob ein Shopware-Plugin veraltet ist?

Auf jeder Produktseite im Shopware Store steht unter „Compatible with” die unterstützte Versionsspanne. Endet sie bei 5.7.20, ist das Plugin für Shopware 5 gebaut und läuft auf keiner Shopware-6-Installation. Nach unserer Zählung trifft das auf 6 der 18 Dropshipping-Erweiterungen zu — ein Drittel des Angebots.