Shopify vs Shopware 2026: Der Vergleich mit echten Zahlen

Shopify vs Shopware 2026: Der Vergleich mit echten Zahlen

Shopify vs Shopware ist keine Geschmacksfrage, sondern eine Rechenaufgabe mit zwei Unbekannten: deinem Umsatz und deiner Entwicklungskapazität. Trotzdem beantworten die meisten Vergleiche im Netz sie mit Adjektiven — „benutzerfreundlich” gegen „flexibel”, „schnell startklar” gegen „individuell anpassbar”. Das ist nicht falsch, es ist nur unbrauchbar, weil sich damit keine Entscheidung treffen lässt.

Also haben wir für diesen Artikel drei Dinge selbst gemessen, statt sie abzuschreiben:

  1. Die Gesamtkosten. Wir haben beide Systeme als Kostenmodell abgebildet — Plangebühren, Transaktionsgebühren, Hosting, Wartung — und den Punkt berechnet, ab dem sich das Verhältnis umkehrt. Er liegt woanders, als die meisten vermuten.
  2. Das Datenmodell. Shopware ist Open Source, sein Produktmodell lässt sich zählen. Shopifys Produktmodell lässt sich über die öffentliche API abfragen. Beide Zahlen stehen unten nebeneinander.
  3. Die Wartung. Wer hält Shopware am Leben? Wir haben die Commits aus sechs Monaten ausgewertet, Bots herausgerechnet und den Bus-Faktor bestimmt.

Alle Preise und Zahlen wurden am 9. August 2026 direkt bei den Anbietern und in den Repositories erhoben. Wo wir uns beim Messen selbst korrigieren mussten, steht das im Text — das gehört zur Methode.

Shopify vs Shopware: der Unterschied in einem Satz

Bei Shopify mietest du einen fertigen Laden, bei Shopware betreibst du einen eigenen. Alles andere folgt daraus.

Shopify ist eine SaaS-Plattform: Du bekommst Hosting, Updates, Sicherheit, Skalierung und Support in einem Preis. Du bekommst aber auch die Grenzen dieses Pakets, und du kannst sie nicht verschieben — der Quellcode gehört dir nicht, du siehst ihn nicht einmal.

Shopware 6 ist Open Source unter MIT-Lizenz. Der komplette Code liegt öffentlich auf GitHub, du kannst ihn lesen, ändern, selbst hosten und in jede Richtung erweitern. Dafür trägst du Betrieb, Updates, Sicherheit und Performance selbst — oder bezahlst jemanden dafür.

Das ist die eigentliche Achse. Nicht „welches System kann mehr”, sondern wie viel Kontrolle brauchst du, und wie viel Verantwortung willst du dafür übernehmen?

Diagramm zweier sich kreuzender Kostenkurven mit markiertem Schnittpunkt, Symbolbild für den Break-even zwischen Shopify und Shopware

Die Preise, direkt von den Anbietern

Zuerst die harten Zahlen. Beide Preistabellen haben wir am 09.08.2026 direkt von den Herstellerseiten abgerufen.

Shopify (deutsche Preisseite, jährliche Zahlung)

PlanMonatlich (jährl. Zahlung)Monatlich (mtl. Zahlung)Kartengebühr online
Basic27 €36 €2,1 % + 0,30 €
Grow79 €105 €1,8 % + 0,30 €
Advanced289 €384 €1,6 % + 0,30 €
Plusab 2.100 €„wettbewerbsfähigste Gebühren” (nicht veröffentlicht)
Quelle: shopify.com/de/preise, abgerufen am 09.08.2026. Preise zzgl. USt. Zusätzlich: Transaktionsgebühr für externe Zahlungsanbieter von 2 % (Basic), 1 % (Grow), 0,6 % (Advanced), 0,2 % (Plus), wenn nicht Shopify Payments genutzt wird.

Zwei Details, die in Vergleichen oft untergehen:

Die Gebühr für Fremd-Zahlungsanbieter ist eine Bindung. Wer bei Shopify nicht Shopify Payments nutzt, zahlt zusätzlich zu den Gebühren des eigenen Anbieters noch einmal 0,2 bis 2 % an Shopify. Bei 100.000 € Monatsumsatz im Grow-Plan sind das 1.000 € monatlich allein dafür, einen anderen Zahlungsanbieter zu verwenden. Das ist keine Nebenklausel, das ist ein Wechselhindernis mit Preisschild.

Die Plus-Kartengebühr ist nicht öffentlich. Auf der Preisseite steht „Wettbewerbsfähigste Gebühren” statt einer Zahl. Wir haben deshalb im Kostenmodell weiter unten keinen erfundenen Plus-Satz angesetzt, sondern mit dem veröffentlichten Advanced-Satz gerechnet und die Auswirkung separat geprüft. Eine Zahl, die nur geschätzt ist, sieht in einer Tabelle genauso aus wie eine gemessene — deshalb steht sie hier nicht drin.

Shopware (Preisseite, Stand 09.08.2026)

PlanPreisKernmerkmale
Community Edition0 €Open-Source-Kern, MIT-Lizenz, selbst gehostet, Community-Support
Riseab 600 €/MonatUnbegrenzte Sales Channels, Shopware Intelligence, Support mit 8 h Reaktionszeit
Evolveab 2.400 €/MonatAlles aus Rise, plus B2B Components, Advanced Search, Dynamic Access, 4 h Reaktionszeit
BeyondindividuellAlles aus Evolve, plus Digital Sales Rooms, Multi-Inventory, Subscriptions, 24/7-Support, 1 h Reaktionszeit
Quelle: shopware.com/en/pricing/, abgerufen am 09.08.2026, Preise zzgl. USt. Zusatzoption „Shopware Intelligence+” 29 €/Monat für die Community Edition, 19 €/Monat für Rise/Evolve/Beyond.

Ein wichtiger Punkt, den Shopware in der eigenen FAQ offenlegt: Die Planpreise richten sich nach deinem Bruttowarenwert (GMV) und weiteren individuellen Faktoren. „Ab 600 €” ist also ein Startpunkt, kein Festpreis. Wer mit diesen Zahlen kalkuliert, kalkuliert mit einer Untergrenze.

Und der entscheidende Unterschied zu Shopify: Shopware nimmt keine Umsatzbeteiligung auf deine Verkäufe. Es gibt keine Transaktionsgebühr an Shopware, du zahlst nur deinen Zahlungsanbieter. Genau daraus entsteht der Effekt, den wir gleich berechnen.

Das Kostenmodell: ab wann dreht sich das Verhältnis?

Die interessante Frage ist nicht „was kostet Plan X”, sondern: Ab welchem Umsatz ist welches System günstiger? Das lässt sich ausrechnen, wenn man die Annahmen offenlegt.

Unser Modell:

  • Shopify: Plangebühr + Kartengebühr (Prozentsatz + Fixbetrag pro Bestellung), jeweils der günstigste passende Plan.
  • Shopware: Community Edition (0 €) bzw. Rise/Evolve + Hosting + laufende Wartung/Entwicklung + eigener Zahlungsanbieter. Für den PSP setzen wir Stripe mit dem EWR-Standardsatz 1,5 % + 0,25 € an.
  • Hosting: 80 €/Monat für einen kleinen bis mittleren Shop, 400 €/Monat bei Cluster-Bedarf.
  • Wartung: 500 €/Monat als anteiliger Aufwand für Updates, Patches und Entwicklung.
  • Durchschnittlicher Bestellwert (AOV): 75 €.

Die Wartungsannahme ist die wichtigste und zugleich die unsicherste Zahl im ganzen Modell. Deshalb steht weiter unten eine Sensitivitätsrechnung, die zeigt, wie stark das Ergebnis daran hängt.

MonatsumsatzShopify (bester Plan)Shopware (bester Plan)günstiger
5.000 €Basic — 152 €CE — 672 €Shopify
10.000 €Basic — 277 €CE — 763 €Shopify
25.000 €Grow — 629 €CE — 1.038 €Shopify
50.000 €Grow — 1.179 €CE — 1.497 €Shopify
100.000 €Grow — 2.279 €CE — 2.413 €Shopify
200.000 €Advanced — 4.289 €CE — 4.247 €Shopware
400.000 €Advanced — 8.289 €CE — 7.913 €Shopware
800.000 €Advanced — 16.289 €CE — 15.247 €Shopware
1.500.000 €Advanced — 30.289 €CE — 28.080 €Shopware
Eigene Berechnung, 09.08.2026. Annahmen: AOV 75 €, Shopware-Hosting 80 €/Monat, Wartung 500 €/Monat, PSP 1,5 % + 0,25 €. Shopify-Preise bei jährlicher Zahlung, Kartengebühren laut deutscher Preisseite.

Der Break-even liegt bei rund 175.000 € Monatsumsatz — etwa 2,1 Mio. € im Jahr.

Darunter ist Shopify praktisch immer günstiger, und zwar deutlich: Bei 10.000 € Monatsumsatz kostet Shopware im Modell fast das Dreifache. Der Grund ist banal und wird trotzdem ständig übersehen — die Community Edition ist kostenlos, ihr Betrieb ist es nicht. 580 € an Hosting und Wartung fallen an, bevor die erste Bestellung eingeht. Gegen 27 € Plangebühr ist das bei kleinen Umsätzen nicht zu gewinnen.

Oberhalb des Break-even kehrt sich die Logik um, weil Shopifys Kosten linear mit dem Umsatz mitwachsen (jede Bestellung kostet Prozente), während Shopwares Fixkosten weitgehend konstant bleiben. Bei 1,5 Mio. € Monatsumsatz sind es rund 2.200 € Unterschied pro Monat — gut 26.000 € im Jahr.

Die Sensitivität: eine Annahme entscheidet fast alles

Ein Kostenmodell ist nur so ehrlich wie die Prüfung seiner eigenen Annahmen. Die Wartungskosten sind der bei weitem stärkste Hebel:

Angenommene Wartung/MonatBreak-even (Monatsumsatz)entspricht Jahresumsatz
0 €7.950 €0,10 Mio. €
250 €68.455 €0,82 Mio. €
500 €174.600 €2,10 Mio. €
750 €324.600 €3,90 Mio. €
1.000 €474.600 €5,70 Mio. €
1.500 €774.600 €9,30 Mio. €
Eigene Berechnung, AOV 75 €. „Break-even” = niedrigster Monatsumsatz, ab dem Shopware im Modell günstiger ist.

Der Break-even wandert um den Faktor 97, je nachdem, was man für Wartung ansetzt. Damit ist klar, wo die eigentliche Entscheidung liegt: nicht in den Lizenzpreisen, sondern in deiner Antwort auf die Frage, wer das System pflegt. Wer einen Entwickler im Haus hat, für den Shopware-Updates ohnehin in die Woche passen, rechnet mit ganz anderen Zahlen als jemand, der jede Änderung an eine Agentur gibt.

Ein zweiter Hebel ist der durchschnittliche Bestellwert:

Ø BestellwertBreak-even (Monatsumsatz)
25 €100.200 €
50 €145.500 €
75 €174.600 €
150 €218.250 €
300 €249.429 €
Eigene Berechnung, Wartung 500 €/Monat.

Je kleiner der Warenkorb, desto früher lohnt sich Shopware — weil Shopify pro Bestellung 0,30 € nimmt und viele kleine Bestellungen diesen Fixanteil vervielfachen. Ein Shop mit 25 € Warenkorb erreicht den Break-even bei 100.000 €, einer mit 300 € Warenkorb erst bei 250.000 €.

Was das Modell nicht kann — und ein Fehler, den wir dabei gemacht haben

Zwei ehrliche Einschränkungen.

Erstens rechnet das Modell keine Migrationskosten. Ein Wechsel kostet einmalig einen mittleren fünfstelligen Betrag aufwärts. Bei 2.200 € Ersparnis pro Monat amortisiert sich eine Migration für 50.000 € nach knapp zwei Jahren — vorher ist der Wechsel ein Verlustgeschäft, egal was die Tabelle sagt.

Zweitens, und das ist der Fehler: Unsere erste Fassung suchte den Break-even mit einer binären Suche. Die setzt voraus, dass die Kostendifferenz monoton verläuft — dass es also genau einen Umschlagpunkt gibt. Das ist hier nicht der Fall, weil bei jedem Plansprung (Basic → Grow → Advanced) eine Stufe in der Kurve liegt. Das Ergebnis: Die Suche meldete bei manchen Parametern „kein Break-even”, obwohl es einen gab, und lieferte bei anderen den Rand des Suchbereichs als Ergebnis zurück. Eine Suchgrenze, die als Messwert ausgegeben wird, sieht exakt aus wie eine Erkenntnis. Die Zahlen oben stammen deshalb aus einem vollständigen Durchlauf des gesamten Umsatzbereichs in 2-%-Schritten, nicht aus einer Suche, die Monotonie unterstellt.

Nebenbefund aus derselben Rechnung: Oberhalb des Break-even fanden wir bis zu einem Monatsumsatz von 20 Mio. € keinen Punkt, an dem Shopify wieder günstiger wird. Wir schreiben trotzdem nicht „nie” — 20 Mio. € war die Obergrenze unseres Testbereichs, und über die Grenze hinaus haben wir schlicht nicht gemessen.

Gegenüberstellung eines geschlossenen Systems mit festen Anschlusspunkten und einer offenen erweiterbaren Datenstruktur

Das Datenmodell: 36 Felder gegen 102

Preise ändern sich. Architektur nicht. Deshalb der zweite Vergleich, und dieser ist nachzählbar.

Shopware, Stand des Kerns vom 07.08.2026 (Version 6.7.13.0, frisch geklont und lokal gezählt):

git clone --depth 1 https://github.com/shopware/shopware.git
grep -c "extends EntityDefinition" -r src --include=*.php
  • 102 Feld-Definitionen an der Produkt-Entität, davon 13 übersetzbar
  • 193 Entitäts-Definitionen insgesamt — jede davon automatisch über die Admin-API ansprechbar
  • 82 Store-API-Routen für das Frontend
  • 325 Twig-Templates in der Storefront mit 2.046 eindeutigen Blöcken, die sich einzeln überschreiben lassen
  • 194 Events, an die sich Plugins hängen können
  • 873 Migrationen und 131 Composer-Abhängigkeiten

Shopify, gemessen an der öffentlichen Storefront-API (Version 2026-07) per Introspection:

curl -s https://shopify.dev/storefront-graphql-direct-proxy/2026-07 \
  -X POST -H "Content-Type: application/json" \
  -d '{"query":"{ __type(name:\"Product\"){ fields { name } } }"}'
  • 36 Felder am Produkt-Typ
  • 420 Typen im gesamten Storefront-Schema
  • 41 Mutations — also 41 schreibende Operationen, die das Frontend überhaupt auslösen darf

Diese Zahlen sind bewusst nicht direkt vergleichbar, und genau darin liegt die Aussage. Shopwares 102 Felder sind das interne Datenmodell, das du erweitern kannst: Eigene Felder, eigene Entitäten, eigene Beziehungen. Shopifys 36 Felder sind eine API-Oberfläche — die Fassade eines Systems, dessen Inneres du nie siehst. Du kannst sie über Metafelder ergänzen, aber du kannst das Modell dahinter nicht ändern.

Der praktische Unterschied zeigt sich nicht am ersten Tag, sondern bei der ersten Anforderung, die nicht vorgesehen war. Ein Beispiel aus dem echten Leben: Staffelpreise pro Kundengruppe mit abweichenden Mindestbestellmengen je Artikel. In Shopware ist das eine Erweiterung des Preismodells. In Shopify ist es die Suche nach einer App, die es zufällig genau so macht — oder Shopify Plus mit Shopify Functions.

41 Mutations ist die aussagekräftigste Zahl in diesem Abschnitt. Sie beschreibt exakt, was ein Shopify-Frontend tun darf: Warenkorb anlegen, Positionen ändern, Rabattcodes setzen, Checkout anstoßen. Alles andere ist nicht vorgesehen. Diese Grenze ist kein Mangel — sie ist der Grund, warum Shopify so verlässlich funktioniert. Aber du musst wissen, dass sie existiert, bevor du deine Anforderungen dagegen legst.

Wer pflegt Shopware eigentlich?

Bei Open Source ist die wichtigste Frage nicht „was kann es”, sondern „wer hält es am Leben”. Bei einem SaaS-Anbieter beantwortet der Anbieter diese Frage mit seiner Existenz. Bei selbst gehosteter Software musst du sie selbst stellen.

Wir haben deshalb die Commits der letzten sechs Monate über die GitHub-API ausgewertet, Bot-Accounts herausgerechnet und reine docs:-Commits vom Code getrennt:

RepositoryCode-Commits (6 Mon.)BeitragendeGrößter AnteilBus-Faktor
shopware/shopware1.68214511,7 %13
shopware/shopware-cli4562375,0 %1
shopware/frontends116836,2 %2
Eigene Auswertung über die GitHub-API, 09.08.2026, Zeitraum 180 Tage, Bots ausgeschlossen. „Bus-Faktor” = Anzahl Personen, die zusammen die Hälfte der Code-Commits stellen.

Der Kern ist gesund: 145 Beitragende, und es braucht 13 von ihnen für die Hälfte der Arbeit. Kein einzelner Entwickler stellt mehr als 11,7 %. Das ist eine breite Basis — wenn morgen jemand geht, merkt es das Projekt kaum.

Interessanter ist die Peripherie. Die Shopware CLI hat einen Bus-Faktor von 1: Eine einzelne Person verantwortet 75 % der Commits. Das ist keine Katastrophe — es ist ein Werkzeug, kein Kernbestandteil des Shops — aber es ist eine Abhängigkeit, die man kennen sollte, wenn man seine Deployment-Pipeline darauf aufbaut. Dasselbe gilt für frontends, das Paket für Headless-Projekte, mit einem Bus-Faktor von 2.

Bei Shopify lässt sich diese Frage prinzipiell nicht stellen — der Shop-Kern ist nicht öffentlich. Öffentlich sind nur die Randwerkzeuge (Hydrogen, CLI, App-Bibliotheken), und die sagen nichts über die Plattform aus. Das ist der ehrlichste Ausdruck des Unterschieds: Bei Shopware kannst du diese Zahlen erheben, bei Shopify musst du dem Anbieter vertrauen. Was von beidem besser ist, hängt davon ab, ob du die Zahlen im Zweifel auch nutzen würdest.

Schichtdiagramm mit einem geschlossenen Kern samt äußeren Erweiterungspunkten gegenüber einer offenen Struktur mit vielen internen Eingriffspunkten

Anpassbarkeit: Apps gegen Quellcode

Beide Systeme lassen sich erweitern, aber auf grundlegend verschiedene Weise.

Shopify kennt drei Ebenen. Das Theme wird in Liquid geschrieben und bestimmt Aussehen und Aufbau des Shops. Apps binden zusätzliche Funktionen an definierten Stellen ein. Shopify Functions erlauben es, bestimmte Kernlogik zu ersetzen — Rabatte, Versandregeln, Zahlungsanpassungen — allerdings überwiegend im Plus-Tarif und nur an den vorgesehenen Punkten.

Der Checkout ist der wichtigste Sonderfall. Er war lange praktisch unantastbar, ist inzwischen über Checkout-UI-Extensions erweiterbar — aber innerhalb eines definierten Rahmens. Du fügst Bausteine an vorgesehenen Positionen ein; du baust den Checkout nicht um. Für die meisten Shops ist das gut, weil Shopifys Checkout messbar hohe Conversion-Raten liefert und du ihn nicht kaputtoptimieren kannst. Für einen B2B-Prozess mit Angebotsfreigabe, Kostenstellen und Rechnungskauf mit Bonitätsprüfung ist es eine harte Grenze.

Shopware kennt diese Grenze nicht. Die 2.046 überschreibbaren Twig-Blöcke bedeuten, dass jeder sichtbare Teil der Storefront einzeln ersetzt werden kann, ohne den Core zu ändern. Die 194 Events erlauben es, an praktisch jedem Punkt der Geschäftslogik einzugreifen. Und weil der Code unter MIT-Lizenz vorliegt, ist im Zweifel auch der Weg offen, den kein Plugin-System vorsieht.

Der Preis dafür steht in denselben Zahlen. 873 Migrationen im Kern heißen: Dieses System verändert sich, und deine Anpassungen müssen mitwandern. Jeder Eingriff, den du heute machst, ist Arbeit, die du bei jedem Major-Update wieder anfassen musst. Das ist der Kern der Wartungskosten aus dem Modell oben — sie sind keine Strafe für Open Source, sie sind der Gegenwert für die Freiheit.

Beim Ökosystem hat Shopify quantitativ die Nase vorn: Der Shopware Store zählt 3.401 Erweiterungen (Stand 09.08.2026), Shopifys App Store liegt um ein Vielfaches darüber. Zwei Einordnungen dazu. Erstens ist die Zahl weniger wichtig als die Passung — 20 Apps, die 90 % deiner Anforderungen abdecken, schlagen 10.000, die es nicht tun. Zweitens sind Shopify-Apps überwiegend Abonnements: Zehn Apps zu je 20 bis 50 US-Dollar im Monat sind ein realer Kostenblock, der in unserem Modell oben noch gar nicht enthalten ist. Er verschiebt den Break-even weiter zugunsten von Shopware.

B2B: der Punkt, an dem die Systeme wirklich auseinandergehen

Wenn der Vergleich irgendwo eindeutig wird, dann hier.

Shopware liefert B2B-Funktionen als Teil der Plattform, ab dem Evolve-Plan: B2B Components, kundenspezifische Preise, Dynamic Access, im Beyond-Plan zusätzlich Multi-Inventory und Subscriptions. Das ist keine Erweiterung eines B2C-Systems, sondern von Anfang an Teil des Datenmodells — Firmenkunden mit mehreren Bestellern, Freigabeprozessen und individuellen Preislisten sind vorgesehene Fälle.

Shopify hat mit B2B on Shopify deutlich aufgeholt: Firmenprofile, Katalogpreise pro Kunde, Zahlungsziele. Es funktioniert gut für den Fall „wir verkaufen dieselben Produkte auch an Händler”. Es stößt an Grenzen, sobald der Bestellprozess selbst kompliziert wird — mehrstufige Genehmigungen, Budgets pro Kostenstelle, kundenindividuelle Artikelnummern, Angebotsverhandlung vor der Bestellung.

Der zweite große Faktor im deutschsprachigen Raum ist die ERP-Anbindung. Wer Sage, DATEV, ein Branchen-ERP oder eine gewachsene Warenwirtschaft anbinden muss, findet für Shopware häufiger fertige Konnektoren und deutschsprachige Partner mit genau dieser Erfahrung. Bei Shopify läuft dasselbe über Middleware oder eine individuelle Integration gegen die Admin-API — machbar, aber selten der Weg des geringsten Widerstands.

Wie tief das reicht, haben wir in unserem Vergleich zu Magento Alternative am Datenmodell gezeigt: Systeme, die B2B nachrüsten, unterscheiden sich strukturell von Systemen, die es mitbringen.

Geteilte Darstellung von vollständig verwaltetem Hosting gegenüber selbst betriebener Serverinfrastruktur mit Wartung und Monitoring

Betrieb, Sicherheit und Performance

Bei Shopify ist der Betrieb kein Thema. Kein Server, keine Updates, keine Sicherheitspatches, PCI-DSS-Konformität inklusive, Skalierung auch am Black Friday. Das ist ein realer und oft unterschätzter Wert.

Bei Shopware ist der Betrieb dein Thema — auch in der Cloud-Variante bleibt die Verantwortung für Erweiterungen bei dir. Und Betrieb heißt hier nicht nur „Server läuft”. Es heißt: Updates einspielen, bevor eine bekannte Lücke ausgenutzt wird. Wie schnell das ernst wird, haben wir am eigenen Leib erlebt und in IT-Sicherheitslücken dokumentiert — ein Server von uns war fünf Tage lang gekapert, über eine bekannte Lücke in einer Abhängigkeit, die wir nicht schnell genug geschlossen hatten.

Das ist kein Argument gegen Shopware. Es ist ein Argument dafür, die Wartungszeile im Kostenmodell nicht auf null zu setzen, weil man gerade optimistisch ist. Genau diese Zeile entscheidet den Break-even.

Bei der Performance gibt es keinen pauschalen Sieger. Shopify liefert von Haus aus solide Werte über ein globales CDN, gedeckelt durch das, was Apps und Theme hinzufügen — ein App-überladener Shopify-Shop ist regelmäßig langsamer als ein sauber gebauter Shopware-Shop. Shopware kann mit HTTP-Cache, sauberem Hosting und einem schlanken Theme sehr schnell sein, aber nichts davon passiert von allein. Wer es wissen will, misst statt zu vermuten: Unser Core Web Vitals Test prüft eine beliebige URL gegen die echten Google-Metriken.

Welches System passt zu wem?

Shopify passt, wenn:

  • dein Monatsumsatz unter etwa 175.000 € liegt und du kein Entwicklerteam hast
  • du schnell starten willst und Standardprozesse verkaufst
  • dein Geschäft B2C ist, mit überschaubarer Produktlogik
  • Betrieb, Sicherheit und Skalierung nicht dein Problem sein sollen
  • international verkauft wird und Zahlungsarten pro Markt einfach funktionieren müssen

Shopware passt, wenn:

  • dein Monatsumsatz deutlich über dem Break-even liegt und du Entwicklungskapazität hast
  • du B2B-Prozesse mit echter Komplexität abbildest
  • eine tiefe ERP- oder Warenwirtschaftsanbindung nötig ist
  • du Anforderungen hast, die kein Standardsystem vorsieht
  • Datenhoheit und Unabhängigkeit vom Anbieter strategisch wichtig sind

Und der ehrliche dritte Fall: Wenn du dich nicht entscheiden kannst, ist Shopify meist die günstigere Wahl. Der Wechsel von Shopify zu Shopware ist unangenehm, aber machbar — die Daten gehören dir und sind exportierbar. Der umgekehrte Weg ist teurer, weil du dann eine Individualentwicklung aufgibst, die du bezahlt hast. Bei Unsicherheit ist die Option mit dem billigeren Irrtum die richtige.

Entscheidungsmatrix mit Lupe über zwei hervorgehobenen Zeilen und einem Wegweiser, Symbolbild für eine strukturierte Systemwahl

Häufige Fragen zu Shopify vs Shopware

Ist Shopware günstiger als Shopify? Nur oberhalb eines bestimmten Umsatzes. In unserem Modell liegt der Break-even bei rund 175.000 € Monatsumsatz (AOV 75 €, 580 € Hosting und Wartung). Darunter ist Shopify meist deutlich günstiger, bei 10.000 € Monatsumsatz etwa um den Faktor drei. Der Break-even hängt fast vollständig davon ab, was du für Wartung ansetzt: bei 250 €/Monat liegt er schon bei 68.000 €, bei 1.000 €/Monat erst bei 475.000 €.

Ist Shopware wirklich kostenlos? Die Community Edition ist kostenlos und steht unter MIT-Lizenz — du zahlst nichts an Shopware. Der Betrieb ist nicht kostenlos: Hosting, Updates, Sicherheitspatches und Entwicklung fallen an, ob du sie selbst machst oder einkaufst. In unserem Modell sind das 580 € im Monat, bevor die erste Bestellung eingeht.

Nimmt Shopify Prozente von meinem Umsatz? Ja, in zwei Formen. Die Kartengebühren von Shopify Payments betragen 2,1 % + 0,30 € (Basic) bis 1,6 % + 0,30 € (Advanced). Nutzt du einen externen Zahlungsanbieter, kommt zusätzlich eine Shopify-Transaktionsgebühr von 0,2 bis 2 % obendrauf — zusätzlich zu den Gebühren deines eigenen Anbieters. Shopware nimmt keine Umsatzbeteiligung.

Was ist besser für B2B, Shopify oder Shopware? Bei komplexem B2B klar Shopware. B2B Components sind ab dem Evolve-Plan Teil der Plattform, inklusive kundenspezifischer Preise und Zugriffssteuerung, im Beyond-Plan zusätzlich Multi-Inventory und Subscriptions. Shopifys B2B-Funktionen decken den Fall „wir verkaufen auch an Händler” gut ab, stoßen aber bei mehrstufigen Freigaben, Budgets pro Kostenstelle und Angebotsprozessen an Grenzen.

Kann ich bei Shopify den Checkout anpassen? Eingeschränkt. Über Checkout-UI-Extensions lassen sich Bausteine an vorgesehenen Stellen einfügen, und Shopify Functions erlauben eigene Logik für Rabatte und Versandregeln, überwiegend im Plus-Tarif. Einen frei gebauten Checkout gibt es nicht. Bei Shopware ist der Checkout Teil der Storefront und über die 2.046 Twig-Blöcke vollständig überschreibbar.

Wie aufwendig ist die Migration von Shopify zu Shopware? Der bestimmende Faktor sind nicht Produkte und Bestellungen — die sind exportierbar — sondern alles, was um sie herum gewachsen ist: App-Funktionen, die es in Shopware anders gibt, individuelle Theme-Logik, Integrationen und URL-Struktur. Plane die Datenmigration und das Weiterleitungskonzept zuerst und das Design zuletzt; die umgekehrte Reihenfolge ist der häufigste Projektfehler. Rechne mit einem mittleren fünfstelligen Betrag aufwärts.

Was ist mit DSGVO und Datenhoheit? Shopware kannst du auf einem Server deiner Wahl in Deutschland betreiben — die volle Datenhoheit liegt bei dir. Shopify ist ein kanadisches Unternehmen mit Verarbeitung auf eigener Infrastruktur; das ist mit Auftragsverarbeitungsvertrag und Standardvertragsklauseln rechtlich gangbar und wird von vielen deutschen Shops so betrieben, aber die Kontrolle über den Speicherort gibst du ab. Für Unternehmen mit strengen internen Vorgaben ist das oft das ausschlaggebende Kriterium.

Welche Shopware-Version ist aktuell? Zum Zeitpunkt dieses Artikels ist 6.7.13.0 die aktuelle Version, veröffentlicht am 05.08.2026. Der Kern liegt unter MIT-Lizenz öffentlich auf GitHub und wird von 145 Personen aktiv gepflegt.

Fazit

Shopify vs Shopware entscheidet sich an zwei Zahlen, die nichts mit Features zu tun haben: deinem Umsatz und deinen Wartungskosten.

Zu den Kosten: Der Break-even liegt in unserem Modell bei rund 175.000 € Monatsumsatz. Darunter gewinnt Shopify fast immer, weil die Community Edition zwar 0 € kostet, ihr Betrieb aber 580 € im Monat, bevor überhaupt etwas verkauft wurde. Darüber gewinnt Shopware, weil Shopifys Gebühren mit jedem Euro Umsatz mitwachsen und Shopwares Fixkosten nicht. Und der Break-even selbst wandert um den Faktor 97, je nachdem, was du für Wartung einsetzt — das ist die Zahl, über die du wirklich nachdenken solltest, nicht die Plangebühr.

Zur Architektur: Shopwares Produktmodell hat 102 Felder, die du erweitern kannst, 2.046 überschreibbare Template-Blöcke und 194 Events. Shopifys Storefront-API zeigt 36 Produktfelder und erlaubt 41 schreibende Operationen — eine saubere, verlässliche, endliche Oberfläche. Keins von beidem ist besser. Das eine ist ein Werkzeugkasten, das andere ein Werkzeug.

Zur Wartung: Shopwares Kern wird von 145 Menschen getragen, 13 davon leisten die Hälfte — eine breite, gesunde Basis. Am Rand sieht es anders aus: Die CLI hat einen Bus-Faktor von 1. Bei Shopify lässt sich diese Frage gar nicht stellen, weil der Kern nicht öffentlich ist. Das ist der Unterschied zwischen Prüfen und Vertrauen.

Die unbequeme Wahrheit zum Schluss: Die meisten Shops, die von Shopify zu Shopware wechseln wollen, haben kein Plattformproblem, sondern ein Prozessproblem — und nehmen es beim Umzug mit. Bevor du migrierst, rechne den Break-even mit deinen Zahlen. Wenn du unter 175.000 € Monatsumsatz liegst und keinen konkreten Grund nennen kannst, den Shopify strukturell nicht erfüllt, ist der Wechsel eine teure Antwort auf eine Frage, die du noch nicht gestellt hast.

Wer breiter vergleichen will, findet in Bestes Shopsystem die gesamte Systemlandschaft, in Was kostet Shopware 6? die Kostenseite im Detail und in Magento Alternative denselben messenden Blick auf ein drittes System.