Shopware B2B Suite 2026: Das Ende, der Nachfolger und was der freie Core wirklich kann

Shopware B2B Suite 2026: Das Ende, der Nachfolger und was der freie Core wirklich kann

Die Shopware B2B Suite ist das Produkt, über das im deutschen B2B-E-Commerce am meisten geschrieben wird — und das man in 2026 für ein neues Projekt nicht mehr einsetzen sollte. Nicht, weil es schlecht wäre. Sondern weil Shopware in der eigenen Dokumentation einen Satz stehen hat, der jede weitere Diskussion beendet:

„B2B Suite will no longer be supported starting Shopware 6.8. Plan your migration promptly to avoid disruptions.” — developer.shopware.com, B2B Suite Migration, abgerufen am 30.08.2026

Dieser Artikel klärt drei Dinge: Was die B2B Suite war und wodurch sie ersetzt wird, welche Edition du für welche Funktion brauchst — und, weil das in fast jedem Artikel zum Thema fehlt, wie viel B2B du ohne jede Lizenz bekommst. Für den letzten Punkt haben wir nicht recherchiert, sondern gemessen: Shopware 6.7.13.1 frisch installiert, die Datenbank ausgezählt und eine B2B-Preisstruktur tatsächlich angelegt.

Das Ergebnis vorweg, und es ist zweischneidig: In der frisch installierten Community Edition ist keine einzige der 252 Tabellen eine B2B-Tabelle. Null. Gleichzeitig legt derselbe freie Core eine Netto-Kundengruppe in 57 Millisekunden an und trägt eine dreistufige Mengenstaffel sauber ins Datenmodell. Beides ist wahr, und der Unterschied zwischen diesen beiden Sätzen ist die ganze Entscheidung.

Die Kurzfassung für Eilige

FrageAntwort (Stand 30.08.2026)
Ist die Shopware B2B Suite noch aktuell?Nein. Keine Weiterentwicklung, Support endet mit Shopware 6.8
Was ist der Nachfolger?B2B Components, Teil der Erweiterung Shopware Commercial
Ab welchem Plan?Evolve (ab 2.400 €/Monat netto) oder Beyond
Bekomme ich die Suite noch?Nur bei Kauf bis 23.05.2025; ab 24.05.2025 ausschließlich Components
Gibt es einen Migrationspfad?Ja, offizielle B2B Suite Migration-Extension
Voraussetzung für die MigrationB2B-Suite-Version 4.9.3 oder höher
B2B-Tabellen in der freien CE0 von 252 (selbst ausgezählt)
B2B-Entitäten in der freien CE0 von 231 DAL-Entitäten
Regel-Bedingungstypen in der freien CE112, davon 34 kundenbezogen
Mengenstaffeln in der freien CEfunktionieren (selbst angelegt und verifiziert)
Methodik: Shopware 6.7.13.1 am 30.08.2026 per composer create-project installiert (Ubuntu 24.04, PHP 8.3.6, MariaDB 10.11.14, Composer 2.10.3), system:install —basic-setup in 27,8 s. Zählungen direkt aus information_schema und aus der DefinitionInstanceRegistry der laufenden Instanz. Preise von shopware.com/de/preise am selben Tag abgerufen.

Was die Shopware B2B Suite war — und warum sie endet

Die B2B Suite war Shopwares erste Antwort auf die Frage, wie ein Shopsystem den Geschäftskundenhandel abbildet. Sie kam als ein großes Plugin: Mitarbeiterverwaltung, Rollen, Budgets und Kontingente, Bestelllisten, Schnellbestellungen — alles in einem Paket, alles zusammen an oder aus.

Die offizielle Beschreibung ist bis heute online und bemerkenswert nüchtern:

„The B2B Suite provides you with the option of equipping your store with the most important B2B functions. These include budgets and quotas, order lists and quick orders.” — docs.shopware.com, B2B-Suite Administration

Auf derselben Seite steht darüber der Hinweis, dass das Produkt nicht mehr weiterentwickelt wird und „all new features will be handled via the B2B components”.

Das eigentlich harte Datum steht weiter unten auf der Seite und wird in den meisten Zusammenfassungen unterschlagen:

„The following installation guide only applies if you purchased your Shopware Evolve Plan (or higher) by May 23, 2025. Starting from May 24, 2025, only the B2B Components will be available in the Evolve Plan (and higher).”

Das ist wichtiger als das 6.8-Enddatum, weil es die praktische Frage beantwortet, die Leute tatsächlich haben: Kann ich die Suite überhaupt noch bekommen? Antwort: nein, wenn dein Plan nach dem 23. Mai 2025 gekauft wurde. Wer heute ein B2B-Projekt startet, hat gar keine Wahl mehr zwischen Suite und Components — die Wahl ist bereits getroffen worden.

Vergleich zwischen einem geschlossenen monolithischen Block und mehreren einzeln zuschaltbaren Modulen

Der architektonische Grund hinter der Ablösung

Die Suite war ein Plugin, das die Storefront mit eigenen Templates und eigenen Controllern erweiterte. Das funktionierte, solange „Shopware” gleichbedeutend mit „Shopware-Storefront” war. Sobald ein Projekt headless wird — eigenes Frontend, Store API, App im Zweifel auch noch — bricht dieses Modell: Funktionalität, die in Twig-Templates lebt, existiert für einen React- oder Vue-Client schlicht nicht.

Die B2B Components lösen das, indem jede Funktion als eigenständige Komponente mit eigenen Store-API-Routen ausgeliefert wird. Das ist keine Marketing-Umbenennung, sondern eine andere Bauart mit einer praktischen Konsequenz: Du kannst Mitarbeiterverwaltung aktivieren und Angebotsverwaltung weglassen. Bei der Suite gab es das Paket oder nichts.

Die B2B Components im Einzelnen

Die Shopware-Entwicklerdokumentation listet die Komponenten hier auf. Zusammengefasst:

KomponenteWas sie löst
Employee ManagementUnteraccounts für Mitarbeiter eines Geschäftskunden, Rollen, Rechte, Einladungen
Quote ManagementAngebotsanfrage aus dem Warenkorb, Verhandlung, Umwandlung in eine Bestellung
Order ApprovalFreigabe-Workflow: Bestellungen oberhalb einer Schwelle brauchen einen Genehmiger
Individual PricingKatalogweite Rabatte und kundenspezifische Preise inkl. Mengenstaffeln
Quick Order & Shopping ListsSchnellerfassung per Artikelnummer, wiederverwendbare Einkaufslisten
Organization UnitAbbildung komplexer Firmenstrukturen mit differenzierten Zugriffsrechten

Mitarbeiterverwaltung und Rollen

Das ist die Komponente, wegen der die meisten Projekte überhaupt bei B2B-Funktionen landen. Der Kern ist simpel und in der Doku klar formuliert:

„Roles can be used to bind multiple permission to employees with contexts. Every employee can have one assigned role.” — developer.shopware.com, B2B Roles

Ein Detail, das im Alltag zählt: Der Geschäftspartner kann eine Standardrolle festlegen, die bei jedem neu angelegten Mitarbeiter vorausgewählt ist. Das klingt banal, entscheidet aber darüber, ob eine 40-köpfige Einkaufsabteilung in zehn Minuten oder in zwei Stunden eingerichtet ist.

Abstrakte Organisationsstruktur mit übergeordnetem Konto und untergeordneten Mitarbeiterkonten

Wichtig zu verstehen: Diese Rollen sind nicht die ACL-Rollen der Administration. Sie leben im Kundenkonto der Storefront. Ein Mitarbeiter mit der Rolle „darf bestellen bis 5.000 €” ist kein Backend-Benutzer, sondern ein Kunde mit eingeschränktem Kontext.

Bestellfreigaben: der Workflow, den Excel nicht kann

Die Freigabe-Komponente ist die, die am häufigsten unterschätzt wird — und die den Wechsel von „wir schicken PDFs hin und her” zu „wir haben einen Prozess” markiert. Die Dokumentation beschreibt zwei Entitäten:

Eine Approval Rule ist ein Satz Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit eine Bestellung freigegeben werden muss. Die Bedingungen können sich laut Doku auf den Bestellwert, die Währung oder die Rolle des bestellenden Mitarbeiters beziehen. Jede Regel hat eine Priorität, die die Auswertungsreihenfolge bestimmt.

Eine Pending Order ist eine Bestellung, die auf Genehmigung wartet. Sie enthält die Bestelldaten, den auslösenden Mitarbeiter und die Regel, die gegriffen hat.

Die Rechteverteilung ist dreistufig und in der Doku sauber getrennt:

  • Mitarbeiter mit „Can view all pending orders” sehen alle wartenden Bestellungen
  • Mitarbeiter sehen ihre eigenen wartenden Bestellungen ohne Sonderrecht
  • Der Geschäftspartner (der Hauptaccount) sieht und entscheidet über alle Bestellungen seiner Mitarbeiter

Abstrakter Freigabe-Workflow: Warenkorb läuft durch einen Prüfpunkt, ein Zweig wartet

Individual Pricing: wo es technisch interessant wird

Die Preis-Komponente ist die jüngste und die mit dem größten Wirkungsgrad, weil B2B-Preise fast nie einfach sind. Die Dokumentation beschreibt einen vierphasigen Ablauf zur Laufzeit:

  1. Kontexterstellung — das System erkennt, ob es einen Geschäftspartner, einen Mitarbeiter oder einen Tag-basierten Kunden vor sich hat
  2. Produktladen — beim Laden über die Store API greift ein Subscriber ein
  3. Preisauflösung — passende Regeln werden aus einem berechneten Cache geholt
  4. Preisanwendung — Einzelpreis mit optionalem Streichpreis, oder Mengenstaffel

Ein Satz aus der Doku verdient besondere Aufmerksamkeit, weil er ein Verhalten festlegt, das man sonst mühsam ausprobieren müsste:

„If multiple rules match at the highest priority level, the one with the lowest price is selected.”

Bei Gleichstand auf der höchsten Prioritätsstufe gewinnt also der niedrigste Preis — nicht der zuerst angelegte, nicht der zuletzt geänderte. Das ist eine bewusste Entscheidung zugunsten des Kunden und ein häufiger Stolperstein, wenn jemand mehrere Rabattaktionen parallel fährt und sich wundert, warum die schwächere greift.

Die Preisfrage: welche Edition brauchst du?

Hier wird es teuer, und hier lohnt es sich, an der Primärquelle zu messen statt Blogs abzuschreiben. Wir haben am 30.08.2026 die Preisseiten in beiden Sprachfassungen geladen und den Text extrahiert.

PlanPreis (Stand 30.08.2026)B2B Components enthalten?
Community Editionkostenlosnein
Riseab 600 €/Monat exkl. MwSt.nein
Evolveab 2.400 €/Monat exkl. MwSt.ja
Beyondindividuell („Kontaktiere uns”)ja
Quelle: shopware.com/de/preise und shopware.com/en/pricing, beide am 30.08.2026 abgerufen und im Fließtext gegengeprüft. „B2B Components” erscheint in der Auflistung unter Evolve als „Alles aus Rise, plus: B2B Components, Advanced Search, Dynamic Access”.

Die entscheidende Zahl ist der Sprung von Rise zu Evolve: Faktor 4. Wer B2B-Funktionen im Lizenzumfang haben will, zahlt nicht 600 €, sondern 2.400 € im Monat — 28.800 € im Jahr statt 7.200 €. Der Aufpreis von 21.600 € pro Jahr ist die eigentliche Frage dieses Artikels, und sie lautet nicht „sind die Components gut?”, sondern: rechtfertigt der Anteil, den du wirklich brauchst, diese Summe?

Für Beyond nennen wir bewusst keine Zahl. Auf der Preisseite steht „Individuell” beziehungsweise „Custom”. Jede Zahl, die du dazu im Netz findest — auch in älteren Artikeln von uns —, ist geraten oder veraltet. Eine geschätzte Zahl sieht in einer Tabelle identisch aus wie eine gemessene, und das ist genau das Problem.

Wenn du tiefer in die Kostenstruktur willst: Wir haben das in Was kostet Shopware 6? und in Shopware Shop Kosten mit Gesamtkostenrechnungen aufgeschlüsselt, und in Shopware Cloud die Frage Cloud gegen selbst gehostet.

Was der freie Core wirklich kann — gemessen, nicht vermutet

Jetzt der Teil, den kein Anbieter schreibt, weil niemand ein Interesse daran hat. Wir haben Shopware 6.7.13.1 frisch installiert und nachgesehen, was ohne jede Lizenz da ist.

Der harte Befund zuerst

Wir haben nach B2B-Strukturen gesucht — im Quellcode und in der laufenden Datenbank:

SuchbegriffTreffer im freien Core
Dateien mit „b2b” im Namen (vendor/shopware/core)0
Tabellen mit „b2b” im Namen0 von 252
Tabellen zu employee / quote / approval / organization / shopping_list0 / 0 / 0 / 0 / 0
DAL-Entitäten zu employee / quote / approval / budget0 / 0 / 0 / 0
DAL-Entitäten gesamt231
Methodik: find vendor/shopware/core -iname “b2b, Tabellenzählung über information_schema.tables der Installation, Entitätenliste aus der DefinitionInstanceRegistry der gebooteten Anwendung über einen eigenen Console-Command.

Das ist eindeutig und lässt keine Auslegung zu: Die B2B Components sind nicht „im Core versteckt und nur abgeschaltet”. Sie sind schlicht nicht vorhanden. Kein Feature-Flag, kein deaktivierter Bundle, keine leeren Tabellen, die auf eine Lizenz warten. Wer sie will, kauft Evolve.

Und jetzt die Gegenmessung

Genau hier hören die meisten Artikel auf, und genau hier wird es interessant. Denn „keine B2B-Komponenten” heißt nicht „kein B2B”. Wir haben in derselben Installation eine typische Geschäftskunden-Konstellation tatsächlich angelegt — Netto-Kundengruppe, Regel, dreistufige Mengenstaffel:

customer_group (displayGross=false):  57 ms
Rule + Bedingung:                     OK
Staffelpreise in DB:                  3
  ab  1 Stk: netto 90.00 / brutto 107.10
  ab 10 Stk: netto 80.00 / brutto  95.20
  ab 50 Stk: netto 70.00 / brutto  83.30
Ausgeführt am 30.08.2026 über einen eigenen Symfony-Console-Command gegen die laufende Instanz; Werte anschließend direkt aus der Tabelle product_price zurückgelesen, nicht aus dem Rückgabewert des Schreibvorgangs.

Das lief auf einer Community Edition ohne jede Lizenz. Und es ist keine Bastellösung, sondern das reguläre Datenmodell: Die Tabelle product_price hat die Spalten quantity_start, quantity_end und rule_id — Mengenstaffeln, gebunden an eine Bedingung, sind eine Kernfunktion.

Abstrakte Preisstaffel: absteigende Stufen bei steigender Menge

Dazu kommen die Bausteine, die das erst brauchbar machen:

Baustein im freien Coregemessener Wert
Regel-Bedingungstypen insgesamt112
davon kundenbezogen (customer*)34
Regel-Klassen im Quellcode120 Dateien
Kundengruppe mit Nettoanzeige (display_gross)vorhanden
Registrierung pro Kundengruppe freischaltbarvorhanden
Zahlungsarten out of the box4 (u. a. Rechnungskauf)
Store-API-Routen88

Konkret nutzbare Regelbedingungen für B2B-Szenarien sind unter anderem CustomerGroupRule, CustomerNumberRule, CustomerTagRule, BillingCountryRule, CartAmountRule, OrderCountRule und DaysSinceLastOrderRule.

Was das praktisch bedeutet

Setz die beiden Messungen nebeneinander, dann steht da eine unbequeme Wahrheit für beide Lager:

Ohne Lizenz bekommst du: kundengruppenabhängige Preise, Nettopreisanzeige für Gewerbetreibende, Mengenstaffeln, Rechnungskauf, Freischaltung von Neukunden über die Kundengruppen-Registrierung, und 112 Regeltypen, um all das zu konditionieren. Für einen erheblichen Teil der Shops, die sich „B2B-Shop” nennen, ist das der komplette Funktionsumfang, den sie tatsächlich verwenden.

Ohne Lizenz bekommst du nicht: mehrere Nutzer unter einem Kundenkonto, Rollen und Rechte innerhalb eines Kundenunternehmens, Freigabe-Workflows, Angebotsverhandlung im Shop, Einkaufslisten, Organisationseinheiten.

Die Trennlinie verläuft damit erstaunlich sauber: Alles, was mit Preisen zu tun hat, ist frei. Alles, was mit mehreren Menschen in einem Kundenunternehmen zu tun hat, kostet 2.400 € im Monat.

Das ist kein Zufall, sondern folgerichtig. Preise sind Daten am Produkt — die hat der Core sowieso. Mehrbenutzerfähigkeit im Kundenkonto ist ein zweites Identitätsmodell, und das ist teuer zu bauen und teuer zu pflegen.

Der Entscheidungsbaum: brauchst du wirklich Evolve?

Statt einer Empfehlung eine Prüfliste. Beantworte sie ehrlich, bevor du 21.600 € Mehrkosten pro Jahr freigibst.

Du brauchst die B2B Components, wenn eine dieser Aussagen zutrifft:

  • Bei deinen Kunden bestellen mehrere Personen unter einem Firmenkonto, und sie sollen sich nicht ein Passwort teilen
  • Bestellungen ab einem bestimmten Wert müssen intern genehmigt werden, bevor sie bei dir ankommen
  • Deine Kunden verhandeln Preise und du willst diesen Prozess nicht per E-Mail führen
  • Deine Kunden haben Standorte oder Abteilungen mit unterschiedlichen Rechten und Preisen
  • Deine Kunden bestellen regelmäßig dieselben Warenkörbe und brauchen Einkaufslisten

Du brauchst sie wahrscheinlich nicht, wenn:

  • Pro Kunde eine Person bestellt (der Klassiker bei Handwerk, Kleingewerbe, Praxen)
  • Du unterschiedliche Preise brauchst, aber keine unterschiedlichen Nutzer
  • Netto-Anzeige, Staffelpreise und Rechnungskauf deine gesamte B2B-Anforderung sind
  • Du gerade erst anfängst und nicht weißt, welche Prozesse deine Kunden wirklich haben

Der teuerste Fehler in B2B-Projekten ist nicht die falsche Edition. Es ist, die Edition zu kaufen, bevor man die Prozesse der eigenen Kunden kennt — und dann Funktionen zu bezahlen, die niemand einschaltet. Der Weg über die Community Edition mit Kundengruppen und Staffelpreisen ist keine Notlösung; er ist die belastbare Art herauszufinden, ob man mehr braucht.

Die dritte Möglichkeit: Drittanbieter

Zwischen „nichts” und „2.400 €/Monat” liegt der Shopware Store. Es gibt Erweiterungen von Drittanbietern für Mitarbeiterkonten, Angebotsfunktionen oder Freigaben. Ehrlich gesagt: Wir haben sie für diesen Artikel nicht getestet, deshalb steht hier keine Empfehlung. Was du aber prüfen solltest, bevor du diesen Weg gehst:

  • Wie viele aktive Installationen hat die Erweiterung, und wann kam das letzte Update?
  • Unterstützt sie Shopware 6.7 und ist 6.8 angekündigt?
  • Bietet sie Store-API-Routen oder nur Storefront-Templates? (Bei headless entscheidet das alles.)
  • Was passiert bei einem Major-Upgrade des Shops, wenn der Anbieter nicht mitzieht?

Der letzte Punkt ist derselbe, an dem die B2B Suite gerade scheitert — nur bei einem kleinen Anbieter kommt er schneller und ohne Ankündigung.

Migration von der B2B Suite zu den B2B Components

Wenn du heute eine laufende B2B Suite betreibst, ist das dein Abschnitt. Shopware liefert eine eigene Extension dafür, und die Doku dazu ist ungewöhnlich konkret.

Abstrakte Migration: Datenpartikel wandern über eine Brücke von einer alten auf eine neue Plattform

Was die Migration technisch tut

Sie legt laut Doku drei Tabellen an, und deren Zweck sagt viel über die Qualität des Werkzeugs aus:

TabelleFunktion
b2b_components_migration_stateStatus der Migration je Entität
b2b_components_migration_mapZuordnung alter zu neuen Datensätzen (Nachvollziehbarkeit)
b2b_components_migration_errorsProtokoll aufgetretener Fehler

Besonders die Zuordnungstabelle ist ein gutes Zeichen: Sie erlaubt, nach der Migration jeden neuen Datensatz auf seinen Ursprung zurückzuführen. Ohne so eine Tabelle ist eine Massenmigration eine Blackbox, bei der man am Ende Datensätze zählt und hofft.

Die Voraussetzungen, die man vorher kennen muss

Aus der offiziellen Prerequisites-Seite:

  • Backup. Wörtlich: Wenn du bereits Daten in B2B Commercial hast, sichere die Datenbank vor dem Start. Die Migration fügt hinzu, sie entfernt nichts aus der B2B Suite — aber ein Backup ist die einzige Rückfahrkarte.
  • Message Queue Worker muss laufen. Die Migration arbeitet asynchron. Steht der Worker, passiert nichts — und zwar geräuschlos.
  • B2B-Suite-Version mindestens 4.9.3.
  • Budgetverwaltung braucht B2B Commercial 7.6.0 oder höher.

Und ein Detail, das ein Migrationsprojekt an einem Freitagabend ruinieren kann, wenn man es nicht kennt:

„The Organization Unit of the budget will be empty after migration and needs to be manually assigned in B2B Commercial.”

Die Organisationseinheit eines Budgets ist nach der Migration leer und muss von Hand zugewiesen werden. Das ist keine Fehlfunktion, das ist dokumentiertes Verhalten — aber wer nur „Migration erfolgreich” liest und nicht nachsieht, hat Budgets ohne Zuordnung im System.

Der praktische Fahrplan

  1. Bestandsaufnahme. Welche Suite-Funktionen nutzt du wirklich? Erfahrungsgemäß ist die Antwort deutlich kürzer als die Feature-Liste.
  2. Lückenanalyse. Suite und Components sind keine 1:1-Abbildung. Prüfe pro genutzter Funktion, ob es ein Gegenstück gibt — und ob es gleich funktioniert.
  3. Suite auf ≥ 4.9.3 heben, sonst startet die Migration gar nicht.
  4. Auf einer Kopie üben. Nicht auf Produktion. Nie auf Produktion.
  5. Worker prüfen, Migration laufen lassen, b2b_components_migration_errors lesen — nicht nur die Erfolgsmeldung.
  6. Budgets manuell nachziehen (siehe oben).
  7. Frontend nachbauen. Das ist der unterschätzte Posten: Suite-Templates sind nicht Components-Templates. Wer die Storefront angepasst hat, macht diese Arbeit ein zweites Mal.

Punkt 7 ist meist der teuerste. Rechne bei einer angepassten Storefront nicht in Tagen.

Wie die B2B-Funktionen technisch aktiviert werden

Ein Punkt, der in Beratungsgesprächen regelmäßig für Verwirrung sorgt: Die B2B Components werden nicht global eingeschaltet. Sie werden pro Kunde oder pro Kundengruppe freigegeben. Die Benutzerdokumentation beschreibt beide Wege:

Pro Kunde: Über Kunden > Übersicht den Kunden öffnen und die gewünschten Optionen einzeln aktivieren.

Pro Kundengruppe: Unter Einstellungen > Kunde > Kundengruppen lässt sich vorbelegen, welche B2B-Funktionen ein Kunde schon bei der Registrierung erhält. Voraussetzung ist, dass das benutzerdefinierte Registrierungsformular für diese Kundengruppe aktiv ist. Freischaltbar sind laut Doku einzeln: Schnellbestellungen, Mitarbeiterverwaltung, Angebotsverwaltung, Bestellfreigaben, Einkaufslisten und Organisationseinheiten.

Das ist die praktische Umsetzung des modularen Versprechens — und gleichzeitig eine Falle: Wer die Components kauft und sich wundert, dass „nichts da ist”, hat sie meist schlicht bei keinem Kunden aktiviert.

Häufige Fragen zur Shopware B2B Suite

Was ist die Shopware B2B Suite?

Die B2B Suite ist eine Erweiterung für Shopware 6, die einen Shop um Geschäftskundenfunktionen ergänzt — laut Shopware unter anderem um Budgets und Kontingente, Bestelllisten und Schnellbestellungen. Sie war als ein zusammenhängendes Plugin aufgebaut und wird inzwischen nicht mehr weiterentwickelt.

Wird die Shopware B2B Suite noch unterstützt?

Nein, nicht dauerhaft. Shopware schreibt in der eigenen Dokumentation: „B2B Suite will no longer be supported starting Shopware 6.8.” Zusätzlich ist sie seit dem 24. Mai 2025 in neu gekauften Evolve-Plänen nicht mehr enthalten — dort gibt es ausschließlich die B2B Components.

Was ist der Unterschied zwischen B2B Suite und B2B Components?

Die Suite war ein einzelnes großes Plugin, das alle Funktionen gebündelt mitbrachte und stark auf die Storefront ausgerichtet war. Die B2B Components sind eigenständige Module, die einzeln pro Kunde oder Kundengruppe aktiviert werden können und über Store-API-Routen auch in headless-Architekturen funktionieren. Praktisch heißt das: mehr Auswahl, aber auch keine 1:1-Migration.

Welche Shopware Edition brauche ich für B2B?

Für die B2B Components brauchst du mindestens den Plan Shopware Evolve, der laut Preisseite (Stand 30.08.2026) ab 2.400 € pro Monat netto kostet. Shopware Rise ab 600 €/Monat enthält sie nicht. Grundlegende B2B-Funktionen wie Netto-Preisanzeige, Kundengruppenpreise und Mengenstaffeln sind dagegen bereits in der kostenlosen Community Edition enthalten.

Kann ich einen B2B-Shop mit der Shopware Community Edition betreiben?

Ja, für viele Szenarien. Wir haben in einer frisch installierten Community Edition 6.7.13.1 gemessen: Kundengruppen mit Nettopreisanzeige, dreistufige Mengenstaffeln, 112 Regel-Bedingungstypen (davon 34 kundenbezogen) und Rechnungskauf sind vorhanden und funktionieren. Nicht enthalten sind Mitarbeiterkonten, Rollen, Freigabe-Workflows, Angebotsverwaltung und Einkaufslisten — in unserer Installation gab es dafür 0 von 252 Tabellen.

Sind die B2B Components im Shopware Core enthalten?

Nein. Das ist ein verbreitetes Missverständnis, das durch die Formulierung „Teil des Core” in älteren Ankündigungen entstanden ist. Wir haben nachgesehen: Im Paket shopware/core der Version 6.7.13.1 gibt es keine einzige Datei mit „b2b” im Namen und keine Entität zu Employee, Quote, Approval oder Organization. Die Components kommen über die separate Erweiterung Shopware Commercial, die an den Evolve-Plan gebunden ist.

Wie migriere ich von der B2B Suite zu den B2B Components?

Über die offizielle Extension B2B Suite Migration. Voraussetzungen laut Shopware: B2B-Suite-Version 4.9.3 oder höher, ein laufender Message-Queue-Worker und ein Datenbank-Backup. Die Migration fügt Daten hinzu und löscht nichts aus der Suite. Wichtig: Bei Budgets bleibt die Organisationseinheit leer und muss manuell zugewiesen werden. Den größten Aufwand macht meist nicht die Datenmigration, sondern die Anpassung der Storefront.

Was kostet ein Shopware B2B Shop insgesamt?

Die Lizenz ist nur ein Posten. Zu den 2.400 €/Monat für Evolve kommen Hosting, Entwicklung, Anpassung der Storefront, Schnittstellen zu ERP oder Warenwirtschaft und laufende Wartung. Eine ausführliche Gesamtkostenrechnung haben wir in Shopware Shop Kosten aufgeschlüsselt.

Funktionieren die B2B Components headless?

Ja, das ist einer der Hauptgründe für die Ablösung der Suite. Die Components bringen eigene Store-API-Routen mit — die Dokumentation beschreibt zum Beispiel eine eigene Store API für die Organisationseinheiten. Die alte Suite war dagegen stark an die Twig-basierte Storefront gebunden, was sie für eigene Frontends unbrauchbar machte.

Ab wann greift eine Bestellfreigabe?

Das legst du über Approval Rules fest. Eine Regel bündelt Bedingungen — laut Doku etwa den Bestellwert, die Währung oder die Rolle des bestellenden Mitarbeiters — und hat eine Priorität, die die Auswertungsreihenfolge bestimmt. Trifft eine Regel zu, landet die Bestellung als Pending Order im Freigabeprozess statt direkt im Bestellsystem.

Fazit: die Entscheidung ist kleiner, als sie aussieht

Die Shopware B2B Suite ist erledigt. Das ist keine Meinung, das steht in Shopwares eigener Dokumentation, samt Datum: Support endet mit 6.8, verkauft wird sie seit Mai 2025 nicht mehr. Wenn du sie betreibst, ist die Migration keine Option, sondern ein Termin.

Für alle anderen ist die eigentliche Frage nicht „Suite oder Components?”, sondern: Zahlst du 21.600 € Mehrkosten pro Jahr für Funktionen, die deine Kunden tatsächlich benutzen — oder für Funktionen, die in einer Anforderungsliste gut aussehen?

Unsere Messung liefert dafür eine brauchbare Trennlinie. Der freie Core kann alles, was mit Preisen zu tun hat: Netto-Anzeige pro Kundengruppe, Staffelpreise, 112 Regeltypen zum Konditionieren, Rechnungskauf. Er kann nichts, was mit mehreren Menschen in einem Kundenunternehmen zu tun hat: keine Mitarbeiterkonten, keine Rollen, keine Freigaben, keine Angebote.

Wenn bei deinen Kunden eine Person bestellt, brauchst du Evolve mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Wenn bei deinen Kunden ein Einkäufer bestellt, ein Abteilungsleiter genehmigt und die Buchhaltung eine Rechnung erwartet — dann sind 2.400 € im Monat kein Aufpreis, sondern der Preis dafür, diesen Prozess nicht selbst zu bauen.

Und der Fehler, den man wirklich vermeiden sollte, steht in keiner Preistabelle: die Edition zu kaufen, bevor man die Prozesse der eigenen Kunden kennt. Die Community Edition ist der billigste Weg, das herauszufinden — und sie ist, wie gemessen, deutlich weiter, als ihr Ruf im B2B-Umfeld vermuten lässt.

Weiterlesen: Shopify vs. Shopware für die Systemfrage davor, Shopware Installation für den technischen Einstieg, Shopware Cloud für die Hosting-Entscheidung und Bestes Shopsystem für den großen Überblick.