Welches Linux ist das beste für Anfänger? Die ehrlichste Antwort vorweg, damit niemand 4.000 Wörter lesen muss, um sie zu bekommen: Linux Mint mit Cinnamon, wenn der Rechner älter als etwa zwei Jahre ist. Ubuntu 26.04 LTS, wenn er neuer ist. Alles Weitere in diesem Artikel erklärt, warum diese beiden es sind, wann sie es nicht sind, und woran man erkennt, dass eine Empfehlung im Internet geraten wurde.
Denn genau das ist das Problem bei dieser Frage. Sie wird fast ausschließlich mit Gefühlen beantwortet: „fühlt sich vertraut an”, „ist besonders einsteigerfreundlich”, „läuft auch auf alter Hardware”. Das sind Behauptungen ohne Zahl dahinter. Für diesen Artikel haben wir stattdessen gemessen: die Paketarchive von Ubuntu, Mint und Debian heruntergeladen und ausgezählt, die ISO-Dateien aller Kandidaten per HTTP-Header auf ihre echte Größe geprüft, sieben komplette Desktop-Umgebungen in einem Container auflösen lassen, und die Support-Zeiträume aus den offiziellen Release-Daten der Hersteller gezogen statt aus Blogartikeln.
Zwei Ergebnisse haben unsere Erwartung widerlegt. Die verbreitete Aussage „Linux Mint ist eine eigene, einsteigerfreundlichere Distribution” hält der Messung nicht stand — Mints eigenes Paketarchiv enthält gerade einmal 559 Pakete. Und die beliebte Empfehlung „nimm was Leichtgewichtiges, das ist einfacher” stimmt schlicht nicht: Die leichtgewichtigen Ausgaben installieren in unserer Messung mehr Pakete, nicht weniger.
Die Kurzfassung: Welches Linux für Anfänger, in einer Tabelle
| Dein Fall | Empfehlung | Warum |
|---|---|---|
| Windows-Umsteiger, Rechner 2–10 Jahre alt | Linux Mint 22.3 Cinnamon | Vertraute Bedienung, Support bis April 2029, keine Snap-Diskussion |
| Rechner aus 2026 oder 2025 | Ubuntu 26.04 LTS | Neuer Kernel = Hardware wird erkannt, Support bis April 2031 |
| Sehr alter Rechner, unter 4 GB RAM | Linux Mint XFCE | Kleinstes ISO der Mint-Familie, sparsamster Desktop |
| Du magst macOS-Optik | Zorin OS oder elementary OS | Auf Ubuntu-Basis, stark gestaltete Oberfläche |
| Du willst maximale Aktualität und akzeptierst Nacharbeit | Fedora Workstation | Neueste Technik — aber nur 13 Monate Support pro Version |
| Du willst „einfach nur, dass es läuft” und niemand hilft dir | Ubuntu | Größte Nutzerbasis, damit die meisten auffindbaren Lösungen |
| Du hast gehört, Arch sei „das richtige Linux” | Nicht als Erstes | Siehe eigenen Abschnitt weiter unten |
Wer den Serververgleich sucht, ist hier falsch: Dieser Artikel behandelt Linux für Anfänger auf dem Desktop. Für Server haben wir Linux Server Distributionen und Linux Server einrichten geschrieben. Und wer die Frage bereits auf zwei Kandidaten eingegrenzt hat, findet den detaillierten Zweikampf in Ubuntu vs Mint.

Warum die Frage überhaupt so schwer zu beantworten ist
Es gibt keine Instanz, die „Linux” herausgibt. Was man installiert, ist immer eine Distribution: ein Kernel, ein Paketverwaltungssystem, eine Desktop-Umgebung und eine Vorauswahl an Programmen, von einem Team zusammengestellt. DistroWatch führt mehrere hundert davon. Für einen Menschen, der einfach nur seinen Laptop wieder benutzen möchte, ist das keine Freiheit, sondern eine Zumutung.
Die zweite Schwierigkeit: Fast alle populären Einsteiger-Distributionen sind dieselbe Software in unterschiedlicher Verpackung. Das ist keine Polemik, das lässt sich zählen. Wir haben die Paketindizes heruntergeladen und die Einträge ausgezählt:
| Paketquelle | Binärpakete für amd64 |
|---|---|
Ubuntu 26.04 main | 6.487 |
Ubuntu 26.04 universe | 66.741 |
Ubuntu 24.04 main | 6.099 |
Ubuntu 24.04 universe | 64.755 |
Debian 13 main | 68.755 |
Linux Mint 22.3, eigenes Archiv main | 108 |
Linux Mint 22.3 upstream | 323 |
Linux Mint 22.3 backport | 112 |
Linux Mint 22.3 import | 16 |
Packages.xz bzw. Packages.gz der jeweiligen Distribution am 27.08.2026 von archive.ubuntu.com, deb.debian.org und packages.linuxmint.com heruntergeladen, Einträge mit grep -c '^Package: ' gezählt. Die Mint-Komponenten stammen aus dem Release-File der Suite zena.
Mints vier eigene Komponenten ergeben zusammen 559 Pakete. Ein Mint-System bezieht seine restlichen zehntausenden Pakete aus den Ubuntu-Archiven. Rechnet man das gegen Ubuntu 24.04 (main + universe = 70.854), stammt unter einem Prozent der Software auf einem Mint-Rechner aus Mints eigener Hand.
Das ist keine Kritik an Mint — im Gegenteil, es ist der Grund, warum Mint funktioniert. Aber es verändert, wie man die Frage stellen sollte. „Welches Linux ist das beste für Anfänger” ist in Wahrheit meistens die Frage: welche Oberfläche und welche Vorauswahl an Programmen passt zu mir. Der Unterbau ist bei Ubuntu, Mint, Zorin, Pop!_OS und elementary OS derselbe.
Die zwei Antworten, die für 90 Prozent der Leute richtig sind
Linux Mint — die Antwort für Windows-Umsteiger
Linux Mint 22.3 „Zena” erschien am 11. Januar 2026. Es basiert auf Ubuntu 24.04 LTS und wird nach den Angaben des Projekts bis April 2029 unterstützt — also noch etwa zweieinhalb Jahre ab heute.
Warum es für Umsteiger die beste Wahl ist, hat wenig mit Technik und viel mit Gewohnheit zu tun: Cinnamon hat unten eine Leiste, links unten einen Startknopf, und dieser Startknopf öffnet ein zweispaltiges Menü mit Kategorien. Wer 15 Jahre Windows benutzt hat, muss dafür nichts lernen. Das klingt banal. Es ist der mit Abstand häufigste Grund, warum Umstiege scheitern oder gelingen.
Die drei Ausgaben, gemessen an ihrer echten ISO-Größe:
| Mint-Ausgabe | ISO-Größe | Veröffentlicht |
|---|---|---|
| Cinnamon (Hauptausgabe) | 2.948 MB | 08.01.2026 |
| MATE | 2.989 MB | 08.01.2026 |
| XFCE | 2.893 MB | 08.01.2026 |
| LMDE 7 (auf Debian-Basis) | 2.824 MB | 07.10.2025 |
curl -sIL gegen mirrors.edge.kernel.org/linuxmint/ am 27.08.2026; content-length und last-modified aus den Antwort-Headern, ohne die Dateien herunterzuladen.
Bemerkenswert daran: Die drei Ausgaben liegen innerhalb von 96 MB. Die verbreitete Vorstellung, XFCE sei die „viel kleinere” Variante, stimmt beim Installationsmedium nicht — der Unterschied liegt bei drei Prozent. Er entsteht erst im laufenden System (dazu unten mehr).
Ubuntu — die Antwort für neue Hardware
Ubuntu 26.04 LTS erschien laut dem offiziellen Release-Kanal von Canonical am 23. April 2026 und wird bis April 2031 unterstützt, mit dem für Privatnutzer kostenlosen Ubuntu Pro sogar bis 2036. Das sind fünf Jahre gegen Mints zweieinhalb.
| Distribution | Version | Erschienen | Support bis |
|---|---|---|---|
| Ubuntu LTS | 26.04 | 23.04.2026 | 30.04.2031 |
| Ubuntu LTS | 24.04 | 25.04.2024 | 2029 |
| Linux Mint | 22.3 | 11.01.2026 | 30.04.2029 |
| Debian | 13 | 09.08.2025 | 09.08.2028 |
| Fedora | 44 | 28.04.2026 | 02.06.2027 |
| Fedora | 43 | 28.10.2025 | 09.12.2026 |
changelogs.ubuntu.com/meta-release-lts (Canonicals eigener Release-Kanal), übrige Daten aus der endoflife.date-API, abgerufen am 27.08.2026.
Der entscheidende Punkt für Einsteiger steht nicht in der Support-Spalte, sondern dahinter: Mint 22.3 basiert auf Ubuntu 24.04 vom April 2024. Der mitgelieferte Kernel ist entsprechend älter. Bei einem Laptop aus 2025 oder 2026 kann das bedeuten, dass WLAN, Grafik oder der Fingerabdrucksensor nach der Installation nicht funktionieren — und für einen Anfänger ist ein Rechner ohne WLAN kein Startpunkt, sondern ein Abbruch. Ubuntu 26.04 bringt einen entsprechend jüngeren Kernel mit und ist bei frischer Hardware die risikoärmere Wahl.

Der Desktop ist die eigentliche Entscheidung
Weil der Unterbau überall gleich ist, entscheidet die Oberfläche. Vier Modelle sind relevant:
Cinnamon (Mint) — Leiste unten, Startmenü links, Systemleiste rechts. Die direkteste Übersetzung von Windows. Keine Umgewöhnung, wenig Überraschung.
GNOME (Ubuntu, Fedora) — Ein Dock am linken Rand, eine Übersichtstaste oben links, und eine Vollbild-Ansicht für Fenster und Programme. GNOME ist konsequent durchdacht, aber es ist nicht Windows. Wer die Übersichtsansicht einmal verstanden hat, arbeitet schnell damit; wer sie nicht erwartet, fühlt sich verloren.
XFCE / LXQt (Xubuntu, Lubuntu, Mint XFCE) — Klassisch, sparsam, optisch etwas nüchterner. Alles ist dort, wo man es vermutet.
KDE Plasma (Kubuntu) — Ebenfalls klassisch aufgebaut, aber mit sehr vielen Einstellungen. Für Menschen, die gern schrauben, ein Fest; für Menschen, die einfach arbeiten wollen, gelegentlich zu viel.
Und hier kommt das Messergebnis, das der üblichen Erzählung widerspricht. Wir haben in einem Ubuntu-24.04-Container jede Desktop-Umgebung von APT auflösen lassen und gezählt, wie viele Pakete dabei zusammenkommen:
| Desktop-Paket | Pakete insgesamt aufgelöst |
|---|---|
ubuntu-desktop-minimal | 1.273 |
ubuntu-desktop | 1.416 |
cinnamon-desktop-environment | 1.696 |
xubuntu-desktop | 1.729 |
lubuntu-desktop | 1.748 |
kubuntu-desktop | 1.826 |
mate-desktop-environment | 717 |
budgie-desktop | 977 |
docker run --rm ubuntu:24.04, universe und multiverse aktiviert, danach je apt-get install -s PAKET und Zählung der Inst-Zeilen. Simulation, keine echte Installation — gemessen wird also, was APT auflösen würde.
lubuntu-desktop und xubuntu-desktop lösen mehr Pakete auf als ubuntu-desktop. Das ist das Gegenteil dessen, was „leichtgewichtig” nahelegt. Der Grund: Diese Metapakete ziehen jeweils eine vollständige Anwendungsausstattung mit (Bildbearbeitung, Brennprogramm, Dateiverwaltung, Medienspieler), während ubuntu-desktop sich stärker auf einen Kernsatz beschränkt. „Leichtgewichtig” bezieht sich auf den Arbeitsspeicherbedarf im Betrieb, nicht auf den Installationsumfang — zwei völlig verschiedene Größen, die im Netz ständig durcheinandergeworfen werden.
Ehrlich dazugesagt: Wir haben den RAM-Verbrauch im laufenden Betrieb nicht selbst gemessen. Dafür bräuchte es echte Installationen auf echter Hardware; unser Server hat keine Virtualisierungsunterstützung, mit der sich das seriös nachstellen ließe. Wir nennen deshalb keine RAM-Zahlen. Die Paketzahlen oben stehen für sich — sie widerlegen nur die Annahme, „leichtgewichtig” bedeute automatisch „kleiner”.
Die Kandidaten, die man auch nennen sollte
Zorin OS
Ubuntu-Unterbau mit einer sehr sorgfältig gestalteten Oberfläche, die sich per Schalter zwischen einem Windows-artigen und einem macOS-artigen Layout umstellen lässt. Für Menschen, denen Optik wichtig ist, oft die angenehmste erste Erfahrung. Nachteil: kleineres Team, dadurch erscheinen neue Versionen deutlich später als die Ubuntu-Basis, auf der sie beruhen. Die kostenlose Core-Ausgabe reicht für alles Normale; die kostenpflichtige Pro-Variante enthält im Wesentlichen zusätzliche Layouts und Programme.
Pop!_OS
Von System76, ebenfalls auf Ubuntu-Basis. Stärke: eine mitgelieferte Ausgabe mit fertig eingerichteten NVIDIA-Treibern — das erspart bei NVIDIA-Grafikkarten genau den Schritt, an dem Einsteiger am häufigsten aufgeben. Die aktuelle Auslieferung basiert weiterhin auf der 24.04-Reihe; die ISO ist rund 2,8 GB groß (gemessen über die Build-API von System76 am 27.08.2026).
elementary OS
Konsequent macOS-inspiriert, sehr aufgeräumt, mit einer eigenen Gestaltungsphilosophie und einem kuratierten App-Store. Wer diese Ästhetik mag, bekommt das stimmigste Gesamtbild aller hier genannten Systeme. Wer sie nicht mag, kämpft gegen sie an. Klare Geschmacksentscheidung.
Fedora Workstation
Fedora 44 erschien am 28. April 2026, die ISO ist 2.720 MB groß. Fedora liefert konsequent aktuelle Technik und ist technisch exzellent gepflegt. Für Einsteiger hat es aber einen konkreten Haken, den man in der Tabelle oben sehen kann: Der Support pro Version endet nach rund 13 Monaten. Fedora 43 läuft bereits am 9. Dezember 2026 aus. Das bedeutet: mindestens einmal pro Jahr ein Versionswechsel, sonst steht man ohne Sicherheitsupdates da. Für erfahrene Nutzer ist das Routine. Für jemanden, der gerade erst umgestiegen ist, ist es eine Verpflichtung, von der er beim Installieren nichts ahnte. Wer trotzdem einsteigen möchte, findet die Details in unserem Fedora Deep Dive und im Vergleich Fedora vs Ubuntu.
MX Linux
Debian-basiert, sehr beliebt in Ranglisten, ISO rund 2.794 MB. Hat einen ausgezeichneten Ruf und eine große Werkzeugsammlung für Systemwartung. Für absolute Anfänger ist es dennoch selten die erste Empfehlung — die Fülle an Werkzeugen ist eine Stärke für Fortgeschrittene und eine Ablenkung für alle anderen.
Wovon wir Anfängern abraten — und warum
Das gehört in jeden ehrlichen Artikel zu dieser Frage, weil die Gegenempfehlung im Netz ständig auftaucht.
Arch Linux ist keine sinnvolle erste Distribution. Nicht weil es „zu schwer” wäre — der Installer ist inzwischen erträglich — sondern wegen des Betriebsmodells. Arch ist ein Rolling Release: Es gibt keine Versionen, nur einen kontinuierlichen Strom von Aktualisierungen. Für unseren Artikel Debian vs Arch haben wir das Arch-Repository ausgezählt und das Änderungsdatum jedes einzelnen der 15.400 Pakete geprüft: rund 153 Paketaktualisierungen pro Tag, und im Arch-News-Archiv 17 Fälle in viereinhalb Jahren, in denen ein Update manuelles Eingreifen verlangte, sonst bricht das System. Etwa dreieinhalb Mal pro Jahr muss man also eine Ankündigung gelesen und verstanden haben, bevor man aktualisiert. Das ist für einen Einsteiger keine Lernaufgabe, sondern eine Falle.
Debian pur ist ein anderer Fall. Technisch großartig, extrem stabil, unser Standard auf Servern — aber die Standardinstallation trifft bewusst weniger Komfortentscheidungen für den Nutzer, gerade bei proprietären Treibern und Medien-Codecs. Auf dem Desktop bedeutet das mehr Handarbeit. Der Unterschied zur Ubuntu-Variante ist in Debian vs Ubuntu im Detail beschrieben.
„Leichtgewichtige” Exoten für alte Rechner sind gut gemeint, aber riskant: kleine Teams, kleine Foren, wenig auffindbare Hilfe. Und genau die Auffindbarkeit von Hilfe ist für Anfänger die wichtigste Eigenschaft einer Distribution überhaupt. Wenn um 22 Uhr das WLAN nicht geht, entscheidet nicht die technische Eleganz, sondern ob jemand vor drei Jahren dasselbe Problem in ein Forum geschrieben hat.

Der Umstieg in der Praxis: worauf es wirklich ankommt
Vorher ausprobieren, ohne etwas zu installieren
Alle hier genannten Systeme lassen sich als Live-System starten: vom USB-Stick booten, das komplette System benutzen, nichts auf der Festplatte verändern. Das ist der wichtigste und am meisten unterschätzte Schritt. In dieser halben Stunde beantwortet sich fast alles: Funktioniert das WLAN? Wird der Bildschirm richtig angesteuert? Läuft der Ton? Gefällt mir die Oberfläche?
Wenn im Live-Modus etwas nicht funktioniert, wird es nach der Installation in aller Regel auch nicht funktionieren. Das ist eine kostenlose, risikolose Vorabprüfung — und der Grund, warum die Empfehlung „nimm Ubuntu bei neuer Hardware” gar nicht geglaubt werden muss: Man kann es in 20 Minuten selbst nachprüfen.
Die Frage, die vor der Distributionswahl kommt
Bevor irgendeine Distribution installiert wird, gehört eine andere Frage geklärt: Welche Programme brauchst du zwingend? Es gibt Fälle, in denen die Antwort auf „welches Linux für Anfänger” lautet: noch keins. Adobe-Produkte laufen nicht nativ. Die Desktop-Versionen von Microsoft Office laufen nicht nativ. Bestimmte Fachsoftware, Steuerprogramme und Musikprogramme ebenfalls nicht. Es gibt Alternativen, es gibt Kompatibilitätsschichten, es gibt Web-Versionen — aber das sind Kompromisse, und man sollte sie vor dem Umstieg testen, nicht danach entdecken.
Bei Spielen ist die Lage inzwischen deutlich besser als ihr Ruf: Steam bringt mit Proton eine Kompatibilitätsschicht mit, die einen großen Teil des Katalogs abdeckt. Die Ausnahme sind Spiele mit Anti-Cheat-Systemen auf Kernel-Ebene — die funktionieren teilweise gar nicht, und daran ändert die Wahl der Distribution nichts.
Zwei Dinge, die man beim Installieren richtig machen sollte
Erstens: Vorher sichern. Nicht weil Linux-Installer gefährlich wären, sondern weil jeder Eingriff in die Festplattenaufteilung ein Eingriff in die Festplattenaufteilung bleibt. Eine externe Platte mit den eigenen Dokumenten, bevor der Stick eingesteckt wird.
Zweitens: Bei Dual-Boot mit Windows die Schnellstart-Funktion in Windows abschalten. Windows schreibt beim „Herunterfahren” mit aktiviertem Schnellstart einen Ruhezustand auf die Platte statt sie sauber zu schließen. Greift Linux danach auf dieselbe Partition zu, sind Datenverluste möglich. Das ist einer der wenigen echten Fallstricke — und er wird in Anleitungen oft übersprungen.

Programme installieren: der Punkt, an dem sich die Systeme unterscheiden
Das ist die Stelle, an der die Distributionen tatsächlich unterschiedliche Entscheidungen treffen — und an der Anfänger am ehesten in Diskussionen geraten, die sie nicht führen wollten.
Es gibt drei Wege, Software auf ein modernes Linux zu bekommen:
Klassische Systempakete (.deb) — kommen aus dem Archiv der Distribution, teilen sich Bibliotheken mit dem Rest des Systems, sind sparsam und schnell. Nachteil: Die Version ist so alt wie die Distribution.
Snap — Canonicals Format. Die Anwendung bringt ihre Abhängigkeiten mit, ist damit unabhängig vom Alter der Distribution, startet aber messbar langsamer und braucht mehr Platz. Ubuntu liefert Snap standardmäßig mit.
Flatpak — dasselbe Prinzip von anderer Seite, herstellerübergreifend, mit Flathub als großer Sammelstelle. Mint liefert Flatpak vorkonfiguriert mit.
Der praktische Unterschied für einen Anfänger: Ubuntu installiert manche Programme automatisch als Snap — Firefox etwa. Wer im Software-Center sucht und installiert, merkt davon zunächst nichts, außer dass der Browser beim ersten Start eine Weile braucht. Linux Mint blockiert Snap aktiv über eine APT-Regel und liefert Firefox stattdessen als klassisches Paket. Das ist die konkreteste technische Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden Systemen; wir haben sie in Ubuntu vs Mint im ausgelieferten Paket nachgelesen statt sie zu zitieren.
Für die Praxis heißt das schlicht: Beide Systeme haben einen grafischen Software-Manager, in dem man einen Namen eingibt und auf „Installieren” klickt. Der Streit darüber, was im Hintergrund passiert, ist ein Streit für später.

Support-Zeiträume: der Punkt, den Anfänger am häufigsten übersehen
Eine Distribution zu wählen heißt auch, einen Wartungsvertrag mit sich selbst abzuschließen. Die Zahlen aus der Tabelle weiter oben, noch einmal auf das Wesentliche gebracht:
- Ubuntu 26.04 LTS: rund fünf Jahre Ruhe, bis April 2031.
- Linux Mint 22.3: bis April 2029, also rund zweieinhalb Jahre ab heute.
- Fedora 44: bis Juni 2027 — gut zehn Monate ab heute.
- Debian 13: bis August 2028.
Der Unterschied zwischen fünf Jahren und zehn Monaten ist für einen Einsteiger keine Nuance, sondern der Unterschied zwischen „ich installiere das und benutze es” und „ich muss mich regelmäßig um einen Versionswechsel kümmern”. Das ist der Hauptgrund, warum unsere Empfehlung bei den LTS-Varianten landet und nicht bei den technisch aktuelleren Systemen.
Ein Missverständnis dazu, das häufig auftritt: Support-Ende bedeutet nicht, dass der Rechner aufhört zu funktionieren. Es bedeutet, dass keine Sicherheitsaktualisierungen mehr kommen. Das System läuft weiter — es wird nur mit jeder Woche unsicherer. Wie schnell aus einer bekannten, ungepatchten Lücke ein echtes Problem wird, haben wir an unserem eigenen Fall beschrieben: IT-Sicherheitslücken.
Häufige Fragen
Welches Linux ist das beste für Anfänger?
Linux Mint mit Cinnamon für die meisten Windows-Umsteiger, weil die Bedienung ohne Umlernen vertraut ist und der Support bis April 2029 läuft. Ubuntu 26.04 LTS dagegen, wenn der Rechner aus 2025 oder 2026 stammt — der neuere Kernel erkennt aktuelle Hardware zuverlässiger, und der Support reicht bis April 2031. Beide teilen sich denselben Unterbau: Mints eigenes Paketarchiv umfasst nur 559 Pakete, alles andere kommt aus den Ubuntu-Quellen.
Ist Linux Mint oder Ubuntu besser für Einsteiger?
Es hängt am Alter der Hardware, nicht an der „Einsteigerfreundlichkeit”. Mint gewinnt bei der Vertrautheit der Oberfläche: Leiste unten, Startmenü links, zweispaltiges Kategorienmenü. Ubuntu gewinnt bei neuer Hardware und beim Support-Zeitraum — fünf Jahre statt zweieinhalb. Wer unsicher ist, startet beide als Live-System vom USB-Stick und entscheidet nach 20 Minuten selbst.
Welches Linux ist am einfachsten zu installieren?
Der Installationsvorgang unterscheidet sich zwischen Mint, Ubuntu, Zorin und Pop!_OS kaum — alle vier führen grafisch durch dieselben Schritte: Sprache, Tastatur, Festplatte, Benutzerkonto. Der Unterschied liegt danach: Pop!_OS bietet eine eigene ISO mit fertig eingerichteten NVIDIA-Treibern, was bei NVIDIA-Grafikkarten den häufigsten Stolperstein direkt entfernt.
Welches Linux für alte Rechner?
Linux Mint XFCE. Das ISO ist mit 2.893 MB sogar minimal kleiner als die Cinnamon-Ausgabe (2.948 MB), der Desktop selbst ist im Betrieb sparsamer. Wichtig zur Einordnung: In unserer Paketmessung lösen xubuntu-desktop (1.729) und lubuntu-desktop (1.748) mehr Pakete auf als ubuntu-desktop (1.416) — „leichtgewichtig” bezieht sich auf den Speicherbedarf im Betrieb, nicht auf den Installationsumfang.
Sollte ich als Anfänger mit Arch Linux starten?
Nein. Nicht wegen der Installation, sondern wegen des Betriebs: Arch ist ein Rolling Release mit rund 153 Paketaktualisierungen pro Tag, und im Arch-News-Archiv finden sich 17 Fälle in viereinhalb Jahren, in denen ein Update manuelles Eingreifen erforderte — sonst bricht das System. Das setzt voraus, dass man Ankündigungen liest und einordnen kann, bevor man aktualisiert.
Wie lange wird meine Linux-Version unterstützt?
Ubuntu 26.04 LTS bis April 2031 (mit dem für Privatnutzer kostenlosen Ubuntu Pro bis 2036), Linux Mint 22.3 bis April 2029, Debian 13 bis August 2028, Fedora 44 dagegen nur bis Juni 2027. Fedora erneuert seine Versionen etwa jährlich — das ist der Hauptgrund, warum es trotz technischer Qualität selten die erste Empfehlung für Einsteiger ist.
Kann ich Linux ausprobieren, ohne Windows zu löschen?
Ja, und das ist der empfohlene Weg. Alle genannten Systeme starten als Live-System direkt vom USB-Stick, ohne die Festplatte zu verändern. In dieser Sitzung lässt sich prüfen, ob WLAN, Grafik und Ton funktionieren. Was im Live-Modus nicht läuft, läuft nach der Installation in der Regel auch nicht. Wer parallel installieren will, sollte vorher in Windows die Schnellstart-Funktion abschalten.
Laufen meine Windows-Programme unter Linux?
Nicht alle, und das ist die wichtigste Frage vor dem Umstieg. Adobe-Anwendungen und die Desktop-Versionen von Microsoft Office laufen nicht nativ. Bei Spielen deckt Steam mit Proton einen großen Teil des Katalogs ab; die Ausnahme sind Titel mit Anti-Cheat auf Kernel-Ebene. Die Distributionswahl ändert daran nichts — es ist eine Frage der Anwendung, nicht des Systems.
Ist Linux Mint eine eigene Distribution oder nur ein Ubuntu-Abkömmling?
Technisch ein sehr schlanker Abkömmling. Wir haben die Paketindizes ausgezählt: Mints eigene Komponenten umfassen zusammen 559 Pakete (108 in main, 323 upstream, 112 backport, 16 import), während Ubuntu 24.04 in main und universe 70.854 Pakete führt. Unter einem Prozent der Software auf einem Mint-System stammt aus Mints eigener Hand — im Wesentlichen Cinnamon, die Mint-Werkzeuge und das Erscheinungsbild.
Welches Linux nutzt ihr selbst?
Auf Servern Debian und Ubuntu LTS — die Begründung steht in Linux Server Distributionen und Linux Server einrichten. Das ist allerdings eine andere Frage als die nach dem Desktop: Auf einem Server zählen Support-Dauer und Vorhersagbarkeit, auf einem Einsteiger-Desktop zählt, ob jemand nach der Installation ohne Hilfe weiterarbeiten kann.
Fazit
Die Frage „welches Linux ist das beste für Anfänger” hat eine unspektakuläre Antwort, und das ist gut so: Linux Mint Cinnamon oder Ubuntu LTS, entschieden am Alter des Rechners. Alles andere in dieser Auswahl ist Geschmack, Optik oder ein Sonderfall.
Was uns beim Messen am meisten überrascht hat, war die Größenordnung der Gemeinsamkeit. Mint, Zorin, Pop!_OS und elementary OS sind allesamt Ubuntu mit anderer Oberfläche — bei Mint nachweislich zu über 99 Prozent. Die Debatten darüber, welche dieser Distributionen „besser” sei, führen in Wahrheit einen Streit über Desktops und Voreinstellungen, verkleidet als Streit über Betriebssysteme.
Und die zweite Überraschung, weil sie einer verbreiteten Empfehlung direkt widerspricht: „Leichtgewichtig” heißt nicht „kleiner”. lubuntu-desktop und xubuntu-desktop lösen in unserer Messung mehr Pakete auf als ubuntu-desktop. Wer Anfängern ein leichtgewichtiges System empfiehlt, weil es „weniger installiert”, empfiehlt es aus einem Grund, der nicht stimmt — auch wenn die Empfehlung selbst für schwache Hardware trotzdem richtig sein kann.
Der praktische Rat zum Schluss ist deshalb keiner über Distributionen: Nimm einen USB-Stick, starte zwei Systeme im Live-Modus, und entscheide nach einer halben Stunde selbst. Diese halbe Stunde ist mehr wert als jeder Vergleichsartikel — auch als dieser.
