Debian vs Ubuntu Server: Welche Linux-Distribution ist 2026 die richtige Wahl?

Debian vs Ubuntu Server: Welche Linux-Distribution ist 2026 die richtige Wahl?

Debian vs Ubuntu – die Frage, die in jedem Linux-Forum, jedem Subreddit und jedem Slack-Channel für DevOps mindestens einmal pro Woche auftaucht. Und das seit über zwanzig Jahren. Die kurze Antwort: Ubuntu ist Debian – mit einer anderen Philosophie obendrauf. Die lange Antwort erklärt, warum diese Philosophie-Unterschiede in der Praxis den Unterschied zwischen einem Server machen, der drei Jahre still vor sich hin läuft, und einem, bei dem du alle sechs Monate Pakete debuggst.

Wir betreiben produktive Server mit beiden Distributionen. Unser Hauptserver läuft auf Debian, unsere Cloud-Instanzen teilweise auf Ubuntu. Dieser Vergleich kommt nicht aus der Theorie, sondern aus dem Alltag – inklusive der Momente, in denen ein apt upgrade um 2 Uhr nachts Dinge kaputt gemacht hat, die vorher funktionierten.

Debian vs Ubuntu: Die schnelle Entscheidungshilfe

Falls du keine 18 Minuten Lesezeit hast:

  • Maximale Stabilität, minimaler Wartungsaufwand, headless Server: Debian
  • Cloud-Deployment, schneller Einstieg, neuere Pakete: Ubuntu Server
  • Enterprise-Support mit SLA: Ubuntu Pro (oder RHEL, aber das ist ein anderer Artikel)
  • Du erbst einen bestehenden Server: Lass laufen, was läuft
  • Container/Docker Host: Egal – nimm was du besser kennst
  • Erstes Mal Linux-Server: Ubuntu Server (flachere Lernkurve)

Marktanteile zur Einordnung: Ubuntu dominiert mit rund 34 Prozent aller Linux-Server (W3Techs), Debian hält solide 16 Prozent. In der Docker-Welt sieht es anders aus – dort basieren die meisten offiziellen Images auf Debian (slim).

Die Geschichte: Warum es Ubuntu überhaupt gibt

Um den Vergleich wirklich zu verstehen, muss man die Beziehung zwischen den beiden kennen. Debian wurde 1993 von Ian Murdock gegründet – eines der ältesten noch aktiven Linux-Projekte überhaupt. Das Projekt wird vollständig von der Community getragen, ohne kommerziellen Eigentümer. Die Debian-Philosophie lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Freiheit und Stabilität über alles.

Ubuntu kam 2004, gegründet von Mark Shuttleworth und seiner Firma Canonical. Die Idee: Nimm Debians solide Basis, mach sie benutzerfreundlicher, paketiere neuere Software, und biete kommerziellen Support an. Ubuntu ist also kein Fork im feindlichen Sinne – es ist ein Downstream von Debian. Jeder Ubuntu-Release-Zyklus beginnt damit, dass Canonical den aktuellen Debian-Testing-Branch importiert und darauf aufbaut.

Das bedeutet in der Praxis: Etwa 80 Prozent der Pakete in Ubuntu kommen direkt aus Debian. Die Unterschiede liegen im Timing, in den Modifikationen und in den Extras, die Canonical obendrauf packt.

Zwei Wege in einem Server-Raum – Stabilität versus Modernität, das Kerndilemma bei Debian vs Ubuntu

Welches Debian für Server? Die Releases erklärt

Eine der häufigsten Fragen überhaupt: Welches Debian für Server? Die Antwort ist fast immer dieselbe: Debian Stable.

Debian hat drei Branches:

Debian Stable (aktuell: Debian 13 „Trixie”)

Das ist die Server-Distribution. Punkt. Debian 13 wurde am 9. August 2025 veröffentlicht und wird bis 2028 voll unterstützt, mit LTS-Support bis 2030. Pakete werden nach dem Release nur noch mit Sicherheitsupdates versorgt – keine neuen Features, keine überraschenden API-Änderungen. Das ist kein Bug, das ist das Feature.

Für einen Produktionsserver bedeutet das: Du machst apt upgrade, und danach funktioniert alles noch genauso wie vorher. Keine kaputten Dependencies, keine plötzlich geänderten Config-Formate. Das klingt banal, aber jeder, der schon mal ein Ubuntu-Upgrade erlebt hat, bei dem sich das PostgreSQL-Config-Format geändert hat, weiß, warum das Gold wert ist.

Debian Testing

Bekommt laufend neue Pakete, ist aber nicht für Produktionsserver gedacht. Testing hat keine dedizierten Sicherheitsupdates – Fixes landen erst dort, wenn sie den normalen Migrationsprozess durchlaufen haben. Das kann Tage dauern.

Debian Unstable (Sid)

Bleeding Edge. Neue Pakete landen hier zuerst. Für Entwickler-Workstations interessant, für Server ein Rezept für schlaflose Nächte.

Unsere Empfehlung: Debian Stable, immer. Wenn du neuere Pakete für einzelne Anwendungen brauchst (Node.js, PostgreSQL, etc.), nutze die offiziellen Backports oder die Upstream-Repositories direkt.

Was ist ein Debian Server? Die Philosophie

Was ist ein Debian Server? Im Kern: Ein minimales, stabiles Betriebssystem, das genau das tut, was du ihm sagst – nicht mehr, nicht weniger.

Eine frische Debian-Server-Installation ist radikal minimalistisch. Kein GUI, kein Snap, kein Cloud-Init (es sei denn, du installierst es), kein NetworkManager (du bekommst ifupdown oder systemd-networkd). Du bekommst ein Basissystem mit SSH und APT, und den Rest baust du selbst drauf.

Das ist gleichzeitig Debians größte Stärke und die höchste Einstiegshürde. Du musst wissen, was du tust – oder bereit sein, es zu lernen. Dafür weißt du am Ende genau, was auf deinem Server läuft, weil du es dort hingestellt hast.

Im Vergleich dazu installiert Ubuntu Server standardmäßig mehr: Cloud-Init, Snapd, Netplan, und je nach Cloud-Provider eine ganze Reihe von Agents. Das macht den Einstieg einfacher, aber den Server „lauter” – mehr Prozesse, mehr potenzielle Angriffsfläche, mehr Dinge die kaputt gehen können.

Paketmanagement-Konzept: Software-Pakete fließen durch eine APT-Pipeline, symbolisch für die Paketverwaltung bei Debian und Ubuntu

Release-Zyklen: Stabilität vs. Frische

Hier liegt der größte philosophische Unterschied, und er hat massive praktische Auswirkungen.

Debian: Release it when it’s ready

Debian Stable erscheint ungefähr alle zwei Jahre – aber es gibt keinen festen Zeitplan. Ein Release kommt raus, wenn die Release-Manager entscheiden, dass es fertig ist. Debian 12 „Bookworm” kam im Juni 2023, Debian 13 „Trixie” im August 2025. Dazwischen: Zwei Jahre, in denen die Pakete in Stable eingefroren waren.

Vorteil: Maximale Stabilität. Jedes Paket wurde monatelang in Testing getestet. Nachteil: Die Pakete können am Release-Tag schon Monate alt sein. Bei Debian 12 war zum Beispiel Node.js 18 das neueste im Repo – zu einem Zeitpunkt, als Node.js 20 schon LTS war.

Ubuntu: Vorhersagbare Kadenz

Ubuntu Server erscheint im April und Oktober – wie ein Uhrwerk. Alle zwei Jahre (gerade Jahre, April) gibt es ein LTS-Release mit fünf Jahren Support (zehn mit Ubuntu Pro). Die Zwischenreleases bekommen nur neun Monate Support.

Ubuntu 24.04 LTS ist das aktuelle Flaggschiff mit Support bis 2029 (2034 mit Pro). Hier bekommst du deutlich neuere Pakete als bei Debian Stable zum gleichen Zeitpunkt – aber eben auch mit weniger Testing-Zeit.

Vorteil: Planbarer Upgrade-Pfad, neuere Software out of the box. Nachteil: Upgrades zwischen LTS-Versionen (z.B. 22.04 → 24.04) sind komplexer als bei Debian und gehen öfter schief. Canonical empfiehlt do-release-upgrade, aber in der Praxis machen viele Admins lieber eine Neuinstallation.

Der Praxis-Test

Auf unserem Debian-Server läuft seit drei Jahren apt upgrade ohne ein einziges Problem. Auf den Ubuntu-Instanzen hatten wir zweimal Situationen, in denen ein Upgrade Snap-Pakete in einen inkonsistenten Zustand gebracht hat. Nicht kritisch, aber nervig – und genau die Art von Dingen, die man auf einem Produktionsserver um 3 Uhr morgens nicht debuggen will.

Paketverwaltung: APT, Snap und die Kontroverse

Beide nutzen APT als Paketmanager – das ist die gemeinsame DNA. Aber Ubuntu hat mit Snap einen zweiten Paketmanager eingeführt, und das ist einer der kontroversesten Punkte in der Linux-Community.

Was ist Snap?

Snap ist Canonicals universelles Paketformat. Snap-Pakete sind containerisiert, bringen ihre eigenen Dependencies mit und aktualisieren sich automatisch. Klingt erstmal gut.

Das Problem:

  • Snapd ist proprietär in seiner Backend-Infrastruktur (der Snap Store). Du kannst keinen eigenen Store hosten.
  • Snap-Pakete starten langsamer als native .deb-Pakete, teilweise deutlich.
  • Automatische Updates können auf einem Server problematisch sein – du willst kontrollieren, wann Updates eingespielt werden.
  • Firefox auf Ubuntu Desktop ist seit 22.04 nur noch als Snap verfügbar – ein Schritt, der viele User zu anderen Distros getrieben hat.

Auf Ubuntu Server ist Snap weniger invasiv als auf dem Desktop, aber snapd läuft trotzdem als Daemon und verbraucht Ressourcen. Viele erfahrene Admins entfernen Snap als ersten Schritt nach der Installation:

sudo apt purge snapd
sudo apt-mark hold snapd

Debian hat kein Snap. Punkt. Alles läuft über APT und .deb-Pakete. Wenn du Flatpak oder AppImage willst, kannst du das installieren, aber es wird dir nicht aufgedrängt. Diese Philosophie – der User entscheidet, nicht der Distributor – ist ein Kernwert von Debian.

Wie kann ich auf einen Debian-Server zugreifen?

Eine weitere häufig gestellte Frage: Wie kann ich auf einen Debian-Server zugreifen? Die Antwort ist identisch zu Ubuntu – via SSH:

ssh benutzer@server-ip

Der Unterschied liegt im Detail:

Debian

  • Installiert OpenSSH-Server, wenn du es bei der Installation auswählst (oder nachträglich mit apt install openssh-server)
  • Root-Login via SSH ist standardmäßig deaktiviert (seit Debian 11)
  • Du erstellst einen normalen User und nutzt su oder sudo (sudo muss nachinstalliert werden!)

Ubuntu Server

  • OpenSSH-Server wird bei der Installation automatisch angeboten und meistens installiert
  • Root-Login ist deaktiviert, aber sudo ist für den ersten User vorinstalliert und konfiguriert
  • Cloud-Init kann SSH-Keys automatisch einrichten (bei Cloud-Deployments)

Der sudo-Punkt ist wichtig: Auf einem frischen Debian-Server musst du sudo erst installieren und deinen User zur sudo-Gruppe hinzufügen:

# Als root:
apt install sudo
usermod -aG sudo deinuser

Auf Ubuntu ist das out of the box erledigt. Kein Showstopper, aber ein typischer Stolperstein für Debian-Neulinge.

Kann Debian als Server verwendet werden?

Kurz: Ja, absolut. Debian ist eine der am häufigsten eingesetzten Server-Distributionen weltweit. Die Frage klingt seltsam, aber sie wird tatsächlich oft gestellt – vermutlich weil viele Leute Ubuntu als „die” Server-Distribution kennen und Debian für eine reine Desktop-Distribution halten.

Die Realität: Debian hat gar kein „Desktop” per Default. Die Server-Installation ist der Normalfall. Desktop-Umgebungen sind optionale Pakete, die du explizit auswählen musst. Debian ist im Kern ein Server-OS, auf dem du optional einen Desktop installieren kannst – nicht umgekehrt.

Viele der größten Webhosting-Provider setzen auf Debian. Der Großteil der Docker-Basis-Images (python:slim, node:slim, etc.) basiert auf Debian. Und ja – der Server, auf dem dieser Artikel gehostet wird, läuft auf Debian.

Cloud-Infrastruktur-Visualisierung: virtuelle Server in einer modernen Rechenzentrumsumgebung, symbolisch für Cloud-Deployments mit Debian und Ubuntu

Sicherheit: Beide gut, aber unterschiedlich

Sicherheit ist kein Feature, das man ankreuzt – es ist ein Prozess. Beide Distributionen nehmen Sicherheit ernst, aber auf unterschiedliche Weise.

Debian Security Team

  • Dediziertes Team, das Sicherheitsupdates für Stable bereitstellt
  • Updates kommen über security.debian.org, getrennt vom Haupt-Repository
  • Extrem schnelle Reaktionszeiten bei kritischen CVEs
  • Minimale Angriffsfläche durch die schlanke Standardinstallation
  • LTS-Team verlängert den Support um weitere zwei Jahre nach End-of-Life

Ubuntu Security Team

  • Canonicals bezahltes Security-Team
  • Ubuntu Pro bietet erweiterten Support (10 Jahre statt 5 für LTS)
  • Livepatch: Kernel-Updates ohne Reboot (nur mit Ubuntu Pro)
  • AppArmor ist standardmäßig aktiv und konfiguriert
  • USN (Ubuntu Security Notices) sind gut dokumentiert und maschinenlesbar

Der Snap-Sicherheitsaspekt

Snap-Pakete laufen in einer Sandbox – das ist ein echtes Sicherheitsplus. Aber: Die automatischen Updates bedeuten auch, dass sich Software auf deinem Server ohne dein Wissen ändert. In einem Compliance-Umfeld kann das ein Problem sein.

Unsere Erfahrung

Auf Debian fühlt sich Sicherheit „manueller” an – du bist mehr selbst verantwortlich. Auf Ubuntu bekommst du mehr out of the box (AppArmor, automatische Sicherheitsupdates via unattended-upgrades). Beides funktioniert, wenn du es richtig machst. Keins funktioniert, wenn du es ignorierst.

Tipp für beide: unattended-upgrades für automatische Sicherheitsupdates einrichten. Auf Ubuntu ist das vorinstalliert, auf Debian musst du es installieren und konfigurieren:

# Debian:
apt install unattended-upgrades
dpkg-reconfigure -plow unattended-upgrades
Sicherheitsschild schützt einen Server – symbolisch für die Security-Konzepte von Debian und Ubuntu

Cloud und Container: Wo Ubuntu punktet

Hier hat Ubuntu einen klaren Vorsprung – nicht technisch, sondern ökologisch.

Cloud-Support

Jeder große Cloud-Provider (AWS, Azure, Google Cloud, DigitalOcean, Hetzner) bietet Ubuntu-Images als erste Wahl an. Oft sind Ubuntu-Images besser optimiert, schneller verfügbar bei neuen Releases, und es gibt mehr Dokumentation. Canonical investiert massiv in Cloud-Partnerschaften.

Debian-Images sind bei den meisten Providern ebenfalls verfügbar, aber manchmal mit Verzögerung und weniger Optimierung. Bei Hetzner zum Beispiel funktionieren beide tadellos.

Container

Hier wird es interessant: Während Ubuntu in der Cloud dominiert, basieren die meisten Docker-Basis-Images auf Debian. python:3.12-slim, node:20-slim, nginx:latest – alles Debian. Warum? Weil Debian-slim-Images kleiner sind, keine Snap-Artefakte mitbringen und stabiler in containerisierten Umgebungen laufen.

Wenn dein Server also hauptsächlich Docker-Container hostet, ist die Wahl des Host-OS weniger kritisch. Nimm was du kennst.

Kubernetes

Für Kubernetes-Nodes empfehlen die meisten Guides Ubuntu (besonders in Kombination mit MicroK8s, Canonicals Kubernetes-Distribution). Aber die eigentlichen Kubernetes-Komponenten laufen auf Debian genauso gut – es ist mehr eine Frage der Dokumentation und des Ökosystems als der Technik.

Performance: Kein relevanter Unterschied

Spoiler: Bei identischer Konfiguration gibt es keinen messbaren Performance-Unterschied zwischen Debian und Ubuntu Server. Beide nutzen denselben Kernel (Ubuntu patcht minimal), dieselben Userspace-Tools, dieselben Netzwerk-Stacks.

Was einen Unterschied macht:

  • Debian hat weniger Hintergrundprozesse out of the box (kein Snapd, kein Cloud-Init wenn nicht installiert)
  • Ubuntu verbraucht mehr RAM im Leerlauf (~50-100 MB mehr, hauptsächlich durch Snapd und Cloud-Init)
  • Kernel-Version: Ubuntu LTS hat einen neueren Kernel als Debian Stable (relevant für neue Hardware)

Auf einem VPS mit 2 GB RAM sind 100 MB mehr oder weniger irrelevant. Auf einem Raspberry Pi oder einer Micro-VM kann es einen Unterschied machen.

Community und Support

Debian

  • Community: Riesig, aber technisch orientiert. Die Dokumentation (Debian Wiki, Debian Handbook) ist exzellent, aber setzt Grundwissen voraus.
  • Mailinglisten sind immer noch das Haupt-Kommunikationsmittel. Ja, im Jahr 2026.
  • Kein kommerzieller Support von einer einzelnen Firma. Es gibt Drittanbieter, die Debian-Support verkaufen.

Ubuntu

  • Community: Noch größer, und breiter aufgestellt. AskUbuntu auf StackExchange ist eine der besten Support-Quellen im Linux-Ökosystem.
  • Canonical bietet kommerziellen Support (Ubuntu Pro, Ubuntu Advantage).
  • Mehr Tutorials im Netz beziehen sich auf Ubuntu. Wenn du nach „How to install X on Linux” suchst, ist die Chance hoch, dass die erste Antwort für Ubuntu ist.

Der Praxis-Faktor

90 Prozent der Debian-Tutorials funktionieren auch auf Ubuntu und umgekehrt. Die Unterschiede liegen in den Pfaden (/etc/network/interfaces vs. Netplan), den Init-Systemen (beide nutzen systemd, aber Ubuntu hat zusätzlich Upstart-Relikte), und der Paketverfügbarkeit.

Hardware-Support und Kernel

Ubuntu LTS nutzt einen neueren Kernel als Debian Stable – das kann bei neuerer Hardware den Unterschied machen.

DistributionKernel (aktuell)Hardware-Support
Debian 13 „Trixie”6.12Sehr gut für Server-Hardware
Ubuntu 24.04 LTS6.8 (HWE: 6.11)Exzellent, besonders für Cloud
Ubuntu 24.106.11Neueste Hardware

Für typische Server-Hardware (Intel Xeon, AMD EPYC) ist der Kernel-Unterschied irrelevant. Für Desktop-Einsatz oder Hardware der allerneuesten Generation kann Ubuntus HWE-Kernel (Hardware Enablement) ein Argument sein.

Netzwerk-Konfiguration: Der große Unterschied

Ein Punkt, der in der Praxis überraschend oft nervt:

Debian: /etc/network/interfaces oder systemd-networkd

Debian nutzt traditionell /etc/network/interfaces (ifupdown). Seit Debian 12 wird für Neuinstallationen zunehmend systemd-networkd genutzt. Beide sind plain-text, gut dokumentiert und funktionieren zuverlässig.

Ubuntu: Netplan

Ubuntu hat mit 18.04 Netplan eingeführt – eine YAML-basierte Abstraktionsschicht über systemd-networkd oder NetworkManager. Netplan ist mächtig, aber eine zusätzliche Abstraktionsebene, die Fehler verstecken kann.

# Ubuntu Netplan (/etc/netplan/00-installer-config.yaml)
network:
  version: 2
  ethernets:
    ens3:
      dhcp4: true
# Debian (/etc/network/interfaces)
auto ens3
iface ens3 inet dhcp

Beide machen dasselbe. Debians Variante ist simpler. Ubuntus Variante ist „moderner”. Welche besser ist, hängt davon ab, ob du YAML magst. (Einrückungsfehler in YAML um 3 Uhr morgens sind kein Spaß.)

Migration: Debian → Ubuntu oder umgekehrt?

Kurze Antwort: Tu es nicht. Es gibt keinen offiziell unterstützten Migrationspfad zwischen Debian und Ubuntu in beide Richtungen. Ja, es ist technisch möglich (die Repos tauschen, apt dist-upgrade, beten), aber in der Praxis endet das fast immer in einem inkonsistenten System.

Wenn du wechseln willst:

  1. Neuen Server mit der Ziel-Distribution aufsetzen
  2. Konfigurationen migrieren (am besten mit Ansible/Puppet/Chef)
  3. Daten migrieren
  4. DNS umschalten
  5. Alten Server als Fallback behalten

Das ist mehr Arbeit, aber der einzige Weg, der zuverlässig funktioniert.

Wann Debian, wann Ubuntu? Unsere Empfehlung

Nach Jahren mit beiden Distributionen in Produktion:

Nimm Debian wenn:

  • Du maximale Kontrolle über jeden Aspekt deines Servers willst
  • Stabilität wichtiger ist als Paket-Frische
  • Du Docker-Container hostest (die Images sind eh Debian-basiert)
  • Du keinen kommerziellen Support brauchst
  • Du weißt was du tust (oder es lernen willst)
  • Du Snap nicht auf deinem Server haben willst
  • Du einen Server aufsetzt, der Jahre ohne größere Eingriffe laufen soll

Nimm Ubuntu Server wenn:

  • Du Cloud-native arbeitest (AWS, Azure, GCP)
  • Du kommerziellen Support brauchst (Ubuntu Pro)
  • Dein Team Ubuntu besser kennt als Debian
  • Du Canonical-spezifische Tools nutzt (MicroK8s, Juju, LXD)
  • Du einen schnellen Einstieg willst ohne viel manuelle Konfiguration
  • Livepatch (Kernel-Updates ohne Reboot) ein Requirement ist
  • Du neuere Pakete out of the box brauchst

Wann es wirklich egal ist:

  • Docker-Host (die Container haben ihr eigenes OS)
  • Kleine VPS-Projekte (Website, Blog, kleine API)
  • Homelab/Heimserver
  • Wenn du schon eine der beiden gut kennst

FAQ: Die häufigsten Fragen

Welches Debian für Server?

Immer Debian Stable (aktuell Debian 13 „Trixie”). Niemals Testing oder Unstable auf einem Produktionsserver.

Was ist ein Debian Server?

Ein minimales, stabiles Linux-Betriebssystem ohne überflüssige Extras. Debian installiert nur das, was du explizit auswählst – kein Bloat, keine automatischen Updates, keine proprietären Paketmanager.

Wie kann ich auf einen Debian-Server zugreifen?

Via SSH: ssh benutzer@server-ip. OpenSSH-Server muss bei der Installation ausgewählt oder nachinstalliert werden (apt install openssh-server). Root-Login ist standardmäßig deaktiviert.

Kann Debian als Server verwendet werden?

Absolut. Debian ist im Kern ein Server-Betriebssystem. Die meisten Docker-Basis-Images basieren auf Debian, und große Teile des Internets laufen auf Debian-Servern. Desktop-Umgebungen sind optionale Pakete.

Ist Ubuntu einfacher als Debian?

Für den Einstieg: Ja. Ubuntu installiert mehr out of the box (sudo, SSH, Cloud-Init) und hat mehr anfängerfreundliche Tutorials. Langfristig ist Debian nicht schwieriger – nur anders.

Kann ich von Debian zu Ubuntu wechseln (oder umgekehrt)?

Technisch möglich, praktisch nicht empfohlen. Mach eine Neuinstallation und migriere Konfigurationen und Daten.

Fazit: Es ist die falsche Frage

Die ehrliche Antwort auf „Debian vs Ubuntu Server” ist: Beide sind exzellent. Die Wahl hängt weniger von technischen Unterschieden ab als von deinem Workflow, deinem Team und deinem Ökosystem. Ein schlecht konfigurierter Debian-Server ist unsicherer als ein gut gewarteter Ubuntu-Server – und umgekehrt.

Was wirklich zählt:

  • Regelmäßige Updates – egal welche Distribution
  • Monitoring und Alerting – damit du Probleme findest bevor sie kritisch werden
  • Backup-Strategie – getestet, nicht nur eingerichtet
  • Minimale Angriffsfläche – nur installieren was du brauchst

Unser Setup: Debian für langlebige Produktionsserver, Ubuntu für Cloud-Instanzen die schnell hoch- und runtergefahren werden. Aber das ist unsere Präferenz, kein Dogma.

Der wichtigste Rat: Nimm die Distribution, die du am besten kennst. Ein Admin der Debian blind konfigurieren kann, sollte nicht zu Ubuntu wechseln nur weil es „populärer” ist. Und ein Team das seit Jahren Ubuntu nutzt, hat keinen Grund auf Debian umzusteigen.

Beide sind Debian-basiert. Beide nutzen APT. Beide nutzen systemd. Die Lernkurve zwischen den beiden ist flach. Aber der Server, den du am besten kennst, ist der Server, den du am schnellsten reparierst wenn er brennt. Und um 3 Uhr morgens ist das das einzige Argument, das zählt.